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Genre: Hip Hop | Rap

„Asozial, hart, direkt ins Gesicht!“ So beschreibt Aykut Anhan, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Haftbefehl, seine Musik. Auf Russisch Roulette hat der kurdischstämmige und gebürtige Offenbacher jedoch neue Dimensionen hinzugefügt.
Haftbefehl
 

„Asozial, hart, direkt ins Gesicht!“ So beschreibt Aykut Anhan, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Haftbefehl, seine Musik. Seine drei Vorgängeralben Azzlack Stereotyp, Kanackis und Blockplatin liessen sich auch gut mit diesen Begriffen beschreiben.

Auf Russisch Roulette hat der kurdischstämmige und gebürtige Offenbacher jedoch neue Dimensionen hinzugefügt. Inhaltliche Tiefe und Storytelling auf höchstem Niveau. Die drei „1999“ Skits halten das Album inhaltlich zusammen. Jenes Jahr, in welchem Haftbefehl’s Vater die Familie verliess und er selbst dadurch auf die Schiefe Bahn geraten ist.

Gewiss, das Album ist hart und direkt in die Fresse rein. Jedoch weniger durch den expliziten Sprachgebrauch, als eher durch die schonungslose Realität und des Aufdecken sozialer Missstände. Von der Glorifizierung des Leben als Gangster und dessen Begleiterscheinungen („Saudi Arabi Money Rich“) über die Zweifel („Engel im Herz, Teufel im Kopf“) bis zur Suche nach Vergebung („Seele“) wird der Weg von Haftbefehl kohärent auf erlesene Beats gebracht.

Haftbefehl hat, nach drei mittelmässigen Alben den Zenit seines Schaffens erreicht, besticht durch eine starke Beatauswahl und die Kohärenz seines Vortrages auf Russisch Roulette. Einziger Tipp: weder durchskippen noch zufällige Wiedergabe, sondern an einem Stück hören. In einem Buch liest man sich schliesslich auch nicht kreuz und quer durch die Kapitel!

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