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Genre: Hip Hop | Konzertreview

Punkt halb 9 betrat Knackeboul, assistiert von Chocolococolo und Gudrun, als Vorband die Bühne. Er, der von vielen aus der Rapszene etwas belächelt wird, lieferte aber einen beeindruckenden Auftritt ohne einzige einstudierte Line, 30min Freestyle und Beatbox, und Chocolococolo produzierte starke Live-Beats. Einzig das Selfie mit Publikum am Ende seines Auftritts lässt durchblicken, dass er noch keiner der Grossen ist.

Danach lange gähnende Leere. Im Hintergrund werden leise die grossen Hiphop-Classics abgespielt, immer wieder betritt ein Roadie die Bühne, verlässt sie aber wieder, ohne viel zu verändern. Nach rund einer Stunde in der dicht gedrängten Menge stehend, sah man Knackeboul erneut auf der Bühne. Er entschuldigte die Verspätung, aber der Beamer für die Visuals funktioniere nicht.

Um halb 11, dann endlich, the mighty Mos Def! Der konvertierte Muslim betrat die Bühne mit einem Hamamtuch unter dem Hut und verteilte Rosenblätter auf der Bühne. Wer sich ab der langen Verspätung aufregte tat dies spätestens dann nicht mehr, als Mos Def sagte, was wir alle schon lange dachten: „Fuck the visuals“

Yasiin Bey, wie sich Mos seit 2012 nennt, startete gleich fulminant mit den Hits von Black on Both Sides, „Hip Hop“ und meinem favorite „Mathematics“. Die Klasse von Mos Def wird einem bewusst, wenn man bedenkt, dass er eine komplett neue Show improvisieren musste, da er ja eigentlich stark auf seine Visuals angewiesen war. Doch er liess sich nicht beirren und versprühte sein Charisma durch das ganze X-tra und war dem Publikum gegenüber sehr zugänglich. Zum Beispiel als ihn jemand auf 16 Blocks ansprach, einer der Blockbustermovies in dem Mos Def mitgespielt hat. Mos Def entgegnete nur, er mache jetzt hier aber keinen Film sondern Musik und leitete einen orientalischen Remix ein, zu dem er seine Tanzkünste zum Besten gab. Amüsant war auch seine Mini-Playback-Show während dem Lied „Auditorium“, als er beim Teil von Slick Rick eine schauspielerische Einlage gab, und so tat als sänge er auch diesen Part. Immer wieder baute Mos Def Teile aus Hiphop-Classics ein (Juicy, Rapper’s Delight, Wu) und verdeutlichte, dass auch er einer der ganz grossen dieses Business’ ist. Auch, und vor allem, Live.

Text: LBI

Fotos: RBI