Reviews

Genre: Electro | House | Review

Vergangenen Samstag konnte man in der Jägerhalle dem Stelldichein von Parra for Cuva und Jona Mayr lauschen. Ihrem charakteristischen Merkmal – die wattig-sanften, schwebenden Klänge – wurden die beiden während des Live-Sets mehr als gerecht.

parra 
Nach eingangs kräftigem Deephouse der Basler DJs verwandelte sich die Jägerhalle in ein Meer an verwobenen, feinen Melodien. Ein Stück Zauberwald mit unzählbaren Glühwürmchen mitten in der Samstagnacht. Wo sich der Hörer bei Parra for Cuva gewohnt ist, dass nach den feinen Melodien früher oder später der Bass das Stück komplettiert, wurden die Jäger am Samstag zuweilen in Welten von Endlosstücken mit nur verhaltenen Beats geschickt – sphärische Klänge mit verzerrten Gitarrenriffs und Pianomelodien, feine Synthies im Hintergrund. Das Set der beiden wurde durchgängig gesangsfrei gespielt – schade, denn die rauchige Stimme von Anna Naklab, die den Sound von Parra for Cuva häufig perfektioniert, fehlte. Parra for Cuva’s Stücke sind auch in den Mixversionen anspruchsvoll: wer sich an hervorgehobenen und schnellen Beats erfreut, wird an dieser Art von Musik weniger Freude verspüren. Das Live-Set übertraf diese Ansprüche bei weitem. Beim Publikum merkte man, dass es auf die Zeitlupenmusik verhalten reagierte, und die DJs wurden mit weit weniger Jubel belohnt, als dies bei Parra for Cuvas letztjährigem Set der Fall war. Dementsprechend zog der eine oder andere Jägerhallengänger weiter.
Von den Wahlberlinern wurde ein wunderbares – wenn auch kurzes – Set gespielt. Die Instrumente, allem voran Jona’s E-Gitarre, mit der er auch die bekannten Parra for Cuva-Melodien spielte, kamen dabei voll zur Geltung. Die beiden schrieben in dieser Nacht einen ganz eigenen musikalischen Roman – Musik zum Träumen, zu der man sich gerne wog, die aber nicht unbedingt transportierte, was man zur vorrückender Stunde gebraucht hätte. So fehlte es denn leider auch ein bisschen am Gefühl, noch bis in den nächsten Morgen weitertanzen zu wollen.
Parra for Cuva wird am 04. Dezember für einen weiteren Gig in die Schweiz kommen: dann Solo und im Gepäck die erste Platte – dann (hoffentlich) wieder mit der Stimme von Anna Naklab und hervorstechenderen Beats, aber gewohnt träumerisch.
SIM

LIVE

04.12.2014 // Hive-Club, Zürich

REINHÖREN