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Genre: Alternative | Indie-Rock

Zuerst gab es Seitenhiebe gegen Morrissey, dann Anekdoten zu längst vergangenen Tagen. Die ein Mann Vorband Swearing At Motorists brachte das Publikum zum Lachen, während Spoon es schwelgen liess.


 
Die ein Mann Vorband Swearing At Motorists spielte lange Zeit ohne grosse Worte sein Set und kam zu mässigem Applaus. Irgendwann, so scheint es, hielt er es jedoch nicht mehr aus und zündete seinen Sprachapparat. Mit viel Witz und Seitenhiebe gegen Morrisseys Absage am gleichen Abend bei der Baloise Session ging der ein Mann Act in der Rolle des Entertainers auf und mit ihm auch das Publikum. So sagte er, Morrissey habe sein Konzert nicht aus Krankheitsgründen abgesagt, sondern weil es schlichtweg zu gut besucht gewesen wäre. Morrissey der ja bekanntlich ein Misanthrop ist, glaubt man solche Dinge gerne. Doch zurück zu Dave Doughman, welcher hinter dem Pseudonym Swearing At Motorists steckt. Doughman spielte die kürzesten Liebeslieder, aus dem Stehgreif erfundene Hits und Taylor Swift Covers. Aber Achtung wer einem Song von Taylor Swift so viel Klasse geben kann wie Dave Doughman, der ist zweifelsohne ein einwandfreier Musiker. Ohnehin bewies er danach gleich seinen guten Musikgeschmack mit einem Mash-Up von Udo Lindenberg und Jackson Browne.

Das eigentliche Hauptereignis folgte eine halbe Stunde später und wurde mit dem dramatischen “Knock Knock Knock” eröffnet. Spoon, die fünf unüberhörbar aus Texas stammenden Gitarrenrocker, griffen teilweise zu dritt in die Saiten und gaben ihren Songs damit stets genug Strom und Durchschlagskraft. Hinter den fünfen schwebte dabei ein drohender Schatten. Als jedoch “Do You” angestimmt wurde es Licht und es erschien die selbe Frauenhand, die auf dem Albumcover von They Want My Soul zu sehen ist, aber mit der Handfläche nach unten. Das einzige, was die riesige Hand davon abzuhalten schien, die fünf zu zerquetschen, war der melodiöse Gitarrenrock.

Die Texaner spielten quer durch ihre bereits fast zwanzig Jahre währende Diskografie und liessen das Publikum, somit in längst vergangenen Rockzeitaltern schwelgen. Spoon spielten erwartungsgemäss viele neue Songs wie “Inside Out”, “They Want My Soul” und zum Schluss “Rainy Taxi”, doch liessen sie auch ältere Hits wie “Underdog” nicht aus. Am Ende des Abend wurde man also mit einem gesunden Hass auf Morrissey und einer schönen Portion Gitarrenrock aus vergangenen Tagen in die Herbstnacht entlassen. (YSC)

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