Reviews

Genre: Festival | Hip Hop

DSCN2882The Roots vollendeten mit ihrem langen Jam das facetten- und highlightreiche Royal Arena Festival.

Doch beginnen wir mit dem ersten Highlight: Dillon Cooper. Er kam zwar erst langsam in Fahrt und schien zu wenig eigene Lieder zu haben. Doch nachdem er Süssigkeiten ins Publikum warf drehte er auf. In der zweiten Konzerthälfte bot er einige musikalische Zuckerchen und endete sein Konzert mit seinem Hit „State of Elevation“. Auf den jungen Brooklyn-Boy folgte der mittlerweile schon 40 Jahre alte Dendemann. Mit dem schief sitzende Käppi und dem etwas verdutzten Gesichtsausdruck sah er aus, wie eine Parodie seiner selbst. Seine Texte sind aber nach wie vor umwerfend lyrisch und pointiert wie zu Eins-Zwo-Zeiten.

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Als es dann dunkel wurde betrat der Koch und Rapper Action Bronson die Bühne. Gemäss seinem Bauchumfang und Liveauftritt scheint er in beiden seinen Disziplinen ein Meister zu sein. Während seinem energiegeladenen Auftritt reisst er sein T-Shirt-Ausschnitt bis unter sein Bachnabel auf und drängt sich ins Publikum bis er plötzlich verschwindet. Nach zehnminütiger Absenz, die sein Homie überbrückt, springt er wieder auf die Bühne und reisst sich das Shirt noch ganz vom Leib.

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DSCN2838Am Royal Arena geht alles Schlag auf Schlag. Nach Action Bronson gibt Pusha T – im Deutschlandtrikot auftretend– seine Hits von „My Name Is My Name“ und seine Parts von Kanyes „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ zum Besten.
Wieder nur Dreiviertelstunden später performten Mobb Deep; die zwei Queensbridge-Thugs spielten vor allem Lieder aus ihrem Über-Album „The Infamous“. Den Abschluss vom ausverkauften Freitag machten drei der Hiphop-Posse Wu-Tang Clan: Raekwon, Method Man und Ghostface Killah. Viele Festivalbesucher trugen ihr Wu-Tang-Shirt und die grosse Anhängerschaft machte sich während des Konzerts bemerkbar und trug zu einer mitreissenden Stimmung bei. Zum Dank wurde beinahe das gesamte „36 Chambers“ gespielt.

Der Samstag zeigt sich zuerst von der schönen Seite: Im Sonnenuntergang spielte Lo und Leduc mit ihrer starken Band Pacomé. Sie spielten erfrischende Liveinterpretationen von Update 1 bis „Zucker fürs Volk“.

Neuentdeckung Nummer Eins ist Black Milk. Auch er kam mit überzeugender Live-Band, die so gut wie alles spielen konnte. Von Detroit Elektro, das roh und Bass- und Synthilastig daherkam bis 80s im Prince-Style groovte Black Milk mit seiner Band.

Die Swiss Rap Allstars folgten dem Ruf von Joiz-Ugi, der durch die Show führte und die Rapper doppelte. EFM powerte mit ihrem Standard-Programm, Shape nahm seinen Sohn mit auf die Bühne, und Greis und Baze spielten zu Schluss noch alte Chlyklass-Hits. Eigentlich Schade gab es nicht mehr Featurings – wenn man schon 10 Schweizer Rapper auf einer Bühne hätte, muss man sie doch nicht alle nacheinander auf die Bühne lassen.

Die Undergroundkings Dilated Peoples überzeugten mit klassischen Scratch-Sets und gedoppelten Powerlines und eher unklassisch mit einem jungen Mädchen aus der vordersten Reihe auf der Bühne, die jede Zeile mitrappen konnte.

Der Festivalabschluss wurde von den legendary Roots gekrönt. Die beste Hiphop-Liveband der Welt improvisierte durch viele unbekannte Rootstracks oder spielte sie so, dass man sie kaum erkannte. Auch noch als es stark zu regnen begann, tanzte das gut behutete Festivalvolk froh weiter und liess sich die Laune nicht verderben.

Das Royal Arena Festival geniesst zu Recht Kultstatus: Neben den Musikalischen Perlen,  die auch dieses Jahr gezeigt wurden, wurde viel gesprayt, getanzt, gebreakt, gerappt und gescratcht. Bis auf ein, zwei organisatorische Makel (absolutely no own food/drinks auf dem Festivalgelände und verspätete Shuttlebusse) war es ein ausgezeichnetes Festival, thanks!

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(LBI)

Fotos: Kai