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Genre: Konzert

Die zwei Brüderpaare Dessner und Devendorf gaben sich gemeinsam mit Matt Berninger die Ehre und spielten vergangenen Mittwoch in einer restlos ausverkauften Maag Halle Zürich, um dem Publikum einige magische Momente zu bescheren.

The National
 
Als das an Live-Auftritten von zusätzlichen Musikern begleitete Quintett auf der Bühne erschien, lief im Hintergrund noch “Riders On The Storm“ von den Doors. Ob Absicht oder nicht sein dahingestellt, jedoch war sicherlich auch für die Konzerterprobten The National ein gewisser Druck von Seiten des Publikum zu spüren. Die Erwartungen waren natürlich zu Recht gross, da es selten eine so konstant besser werdende Band gegeben hat, die mit dem Song “Fake Empire“ für Barack Obamas Wahlkampf und ihrem aktuellen Album Trouble Will Find Me ihren vorläufigen Zenit erreicht hat.

Matt Berninger trat mit gewohnt bärtigem und schon fast misslaunigem Ausdruck auf die Bühne und begann das Konzert mit “Don’t Swallow the Cap“. Dabei wurde er von wabernden, farbenfrohen Visuals begleitet, die genauso inkonsistent zu scheinen schienen wie die Liebe selbst, von der Berninger sang. Der darauf folgende, zweite Song “I Should Live in Salt“ des Konzerts war – wie auch der erste – vom neuen Album und erzeugte zum ersten Mal Hühnerhaut beim Publikum. Berninger versteht es wie kein zweiter eine unglaubliche Spannung und Dramatik mit seiner Stimme aufzubauen. Dabei kamen ihm die zusätzlichen Live-Musiker ebenfalls zu Gute, die mit Trompete und Posaune den Spannungsbogen und die Dramatik noch verstärkten. Berninger liess während des ganzen Konzertes kein einziges Wort zwischen den Songs von sich hören und liess lieber einen der Gitarrenzwillinge für sich sprechen, dies jedoch auch erst nach geschlagenen 45 Minuten. Die Zwillinge gaben eine famose Show ab und spielten auch schon mal Solos mit in die Luft gestreckten Gitarren, unterstützten ihren Chef aber auch wenn immer nötig mit Backup Vocals.

Gegen Ende des Konzertes zeigte Berninger, aber wer der Entertainer ist, unternahm einen Spaziergang durch das Publikum, währenddessen die Band den Knüller-Song “Mr. November“ performte und er im Publikum singend umherging. Schnell wurde das Ziel Berningers klar, denn er wollte einfach schnell an die Bar und sich ein Bier holen und liess das dabei das Publikum sein unglaublich langes Mikrokabel über ihren Köpfen tragen. Das Furioso von “Mr. November“ wurde von der sanften und doch an Ausdrucksstärke nicht zu überbietenden nur durch die Mikros verstärkte, akustische Version von “Vanderlyle Crybaby Geeks“ konterkariert, die einen wunderbaren und erinnerungswürdigen Abschluss der Zugabe bildete und nochmals für einen Hühnerhautmoment sorgte. Für alle die diesen Moment nicht Live erleben konnten, steht weiter unten ein ähnliches Video von The National aus dem Sydney Opera House. (YSC)

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