Reviews

Genre: Festival

Auch dieses Jahr wartet das Zürich Openair mit einem echten Leckerbissen zum Festivalsaison-Ende hin auf und schafft es jeden Tag wunderbare Acts auf die Bühne zu zaubern. Wer einen krönenden Abschluss zur Freiluft-Musik sucht, der sei hier bedient.

Metronomy
 

DONNERSTAG

Metronomy
Das Quartett rund um das Mastermind Joseph Mount hat ihr mittlerweile viertes Album produziert und geht damit den Weg der einsamen Spitze weiter. Die vier Engländer haben mit Love Letters ein Pop-Meisterwerk geschaffen, das seinesgleichen sucht und trotzdem nicht an ihr in Stein gemeisseltes Wunderwerk The English Riviera herankommt. Dies soll keineswegs ihr neustes Album schlecht reden, sondern stellt lediglich eine Ehrerbietung unserer Seite für dieses ewig währende Wunderwerk von Metronomy dar. Doch genug in der Vergangenheit geschwelgt und zurück in die Gegenwart. Metronomy wird am dies jährigen ZOA auftreten und allen Besuchern am Donnerstag ihren so typischen Sound von melancholischen Gesang, gepaart mit ein paar Synthies und einem vorantreibenden Bass schenken.

Cut Copy
Das australische Quartett Cut Copy will nichts geringeres als die nächste Jugendrevolution anzetteln, wie man auf ihrer Website lesen kann. Die aus dem Soloprojekt von DJ und Graphik-Designer Dan Whitford entstandene Band, hat mit Free Your Mind ihr mit Spannung erwartetes, viertes Album rausgebracht. Der aufregende Titel steht in allen Regenbogenfarben auf einem grellen blauen Hintergrund und macht eigentlich bereits deutlich, um was es den vier Australiern bei ihrer Musik geht. Der Hörer soll seinen Geist befreien und ihn am besten gleich mit der Musik von Cut Copy beglücken. Die Melodien sind wie immer eingängig, die Drums vorantreibend, die Synthies frohlockend und die Stimme Whitfords, die über all dem schwebt, verleiht dem Sound zuweilen eine wunderschöne Dissonanz. Die Tracks der Australier sind extrem tanzbar und versprühen eine Menge Lebensfreude. In diesem Sinne raten wir euch Konzert nicht verpassen und: Free your mind and dance!

Weitere Acts: Paolo Nutini, Crystal Fighters, Baba Shrimps, Kellerkind

Darkside
 

FREITAG

Darkside
Nicolas Jaar ein durchtriebener Chilenischer mittzwanziger hat nach einigen Soloprojekten mit dem Multiinstrumentalist Dave Harrington zusammengespannt und auf Anhieb einen wahren Koloss der elektronischen Musik geschaffen. Das Debut der Darkside-Kollaboration heisst Psychic und behält das Ruhige und Verschrobene von Jaars Soloalbum Space Is Only Noise, doch über diesem wabernden Klangteppich setzt diesmal Harringtons funkige Gitarre Akzente, die diesem Album wahre Grösse verleihen und es zu einem der besten des vergangenen Jahres gemacht haben.

Woodkid
Der französische Alleskönner, mit bürgerlichem Name Yoann Lemoine, wurde ursprünglich mit sei­nen Videos für Künstler wie Katy Perry, Taylor Swift oder Lana del Rey bekannt. Mittlerweile ist er selber ein erfolgreicher Musiker: mit seiner zerbrechlichen, berührenden Stimme und seiner einzigartigen Mischung aus Pop, Folk und Indie hat er sich nicht nur einen Platz in den iTunes-Charts erspielt, sondern ist auch jüngstes Lieblingskind sämtlicher Musikmagazine.

Weitere Acts: Editors, Dry the River, Jeans for Jesus, Miss Kittin

Klischée
 

SAMSTAG

Fritz Kalkbrenner
Nach seinem etwas enttäuschenden zweiten Album, indem er zwar wieder funkige Gitarren eingebaut hat und dazu mit seiner beruhigenden Stimme einen Teppich über das ganze legt, schafft Fritz es nie ganz an das alte Energieniveau heran. Melodiösen House macht Fritz aber immer noch und das definitiv weit überdurchschnittlich. Tracks, wie “Get A Life” und “Little By Little” machten auch seinen Zweitling “Sick Travellin’” auf jeden Fall erstrebenswert. Den hohen Erwartungen an das zweite Album gerecht zu werden, das haben auch schon andere Musikgrössen nicht geschafft und nicht wie andere hat Fritz immer noch seine Live-Auftritte als As im Ärmel, denn dort ist ihm noch nie die Energie ausgegangen.

Klischée
Die in Bern beheimatete Band, die sich so gar keinem Klischee unterordnen will, gibt sich ganz international und vermischt Genres sowie Sprachen. Da swingen mal französische Lyrics zu dicken Bässen, um im nächsten Song gleich von einem elektronisch verzerrten, jazzig angehauchten Song mit englischen Wortfetzen abgelöst zu werden. Die englischen und französischen Lyrics sind dabei meist sehr einfach und repetitiv gehalten, was wunderbar zu den teilweise enorm temporeichen Beats passt. Ab und zu jedoch greift sich der MC und Sänger William Bejedi, der auch unter dem Namen “45 Degré” bekannt ist, das Mikro und muss dabei in einem dermassen zungenbrecherischen Tempo rappen, dass er sein ganzes Können unter Beweis stellen muss, um mit dem Tempo der Band mitzuhalten. Seine französische Rapverse schmiegen sich dazu unglaublich elegant an die swingigen und keine Sekunde ruhenden Melodien, die kein Bein unberührt lassen und einem schon nach ein paar Takten nicht mehr aus den Ohren wollen.

Weitere Acts:, The Bloody Beetroots, White Lies, Klangkarussell, Mo, Adana Twins

SONNTAG

Warpaint, Parov Stelar Band

REINHÖREN