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Genre: Portrait | Review

Techno & Dub

Da scheint jemand immer wieder neue Herausforderungen zu suchen!
Mark Ernestus gründete zusammen mit Moritz von Oswald das Techno-Dublabel Basic Channel, welches zu einem der einflussreichsten Technolabels der 90er Jahre gehörte. Ernestus ist Mitbegründer und auch heute noch Betreiber des Hardwax Plattenladens und Vertriebes in Berlin. Daneben gründete er noch die Labels Burial Mix und Rhythm & Sound. Zwei elektronische Labels, die sich an die den Reggea Sound wagen und Kooperationen mit verschiedensten Reggea-Sängern realisieren. Eines scheint klar: Der Rhythmus steht immer im Vordergrund und wird stets weiterentwickelt. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Mark Ernestus auf die Reise nach Afrika machte.

Begegnungen in Afrika

Man könnte nun darüber philosophieren, ob es Zufall oder Bestimmung war, dass Mark Ernestus auf Bakane traf und sich sofort mit ihm verstand. Wie es dazu kam, ist eine lange Geschichte und war natürlich ein Prozess, eine lange intensive Suche.

An einem Festival faszinierten Ernestus die Mbalax-Rhythmen derart, dass er sich auf die Suche nach mehr machte. Zuerst suchte er auf Youtube und in Plattenläden in Paris.(Anmerkung: Wer in Berliner Plattenläden nach Afro sucht, wird kaum etwas finden. In Paris wiederum tummeln sich viele Sammler und Plattenläden wie Superfly gelten als die Hochburg in Sachen Afrosoul und Latin9 Aber auch in Paris stiess Mark Ernestus an seine Grenzen, weshalb er sich auf den weiten Weg nach Senegal und Gambia machte. Ohne jemanden zu kennen, traf er in Dakar zufälligerweise auf Bakane Seck, einen der avanciertesten Mbalax Musiker, den er bereits von Kassetten und Youtubevideos kannte. Wie Bakane sagte, war eine der Voraussetzungen für die Zusammenarbeit, dass man sich über den Rhythmus von Rede und Körpersprache verstand.

Trommeln

Bakane ist ein Sabartrommler und entstammt einer Griotfamilie. In Westafrika werden die Griots vereehrt, obschon sie einer niedrigen Bevölkerungsschicht angehören und lange nicht in der traditionellen Musikkultur anerkannt waren. Der Griot ist ein Übermittler und Behüter der Tradition und sein Instrument zur Nachrichtenübermittlung ist die Sabartrommel. Sie wird mit einer Hand und einem Stock in der anderen Hand geschlagen. Es gibt zahlreiche Unterarten von Sabartrommeln und im Trommelensemble dementsprechend unterschiedliche Rollen- eine Wissenschaft für sich.

Ein Sprichwort aus Westafrika besagt: Wenn ein Griot stirbt, ist das wie wenn eine Bibliothek abbrennt.

Mbala

Seit den 70er Jahren galt Mbalax als die moderne elektrische Tanz- und Unterhaltungsmusik im Senegal und in Gambia. Zuvor wurde überall ausschliesslich Salsa gespielt. Mit der Einführung der Sabar-Trommeln, und ihrer spezifischen Tönen und Rhythmen, wurde die Unterhaltungsmusik sozusagen senegambisch. Und es waren einige Sabartrommler aus der Jeri Jeri, die Mbalax entscheidend mit geprägt haben.

Mbalax ist nicht nur eine Tanzmusik, sondern auch Ausdruck gesellschaftlicher und religiöser Umgangsformen. Werte wie Respekt, Disziplin und Toleranz werden in einen popkulturellen Kontext verpackt und im Fernsehen auf Kassetten verbreitet. Mark Ernestus verliebt sich in die wiederholenden Momente der Trommeln und fand gleichzeitig verwandte Klänge in alten Synthesizern wie dem Yamaha DX-7 – mit dem Unterschied, dass diese Musik nicht sequenziert, sondern nach der Tradition des Mbalax Live gespielt wird.

Kaserne und das Haus der Elektronischen Künste

Nachdem Seun Kuti bereits im letzten Jahr die Kaserne mit treibenden Afrobeat Grooves verzaubern konnte, vereint sich das Haus der Elektronischen Künste nun mit der Kaserne, um ein weiteres Spektakel des Rhythmus auf die Beine zu stellen. Support gibts vom Basler Kollektiv Alma Negra, das diesen Abend musikalisch passend begleitet.

Jeri-Jeri live @ Kaserne Basel – 08.02.2014