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Genre: Blues | Rock

Manchmal erinnern mich Musikalben an Kuchen. An Schwedentorte zum Beispiel – sieht nett aus – schmeckt bescheiden. Oder an Schwarzwälderkirsch – aufwendig gemacht, aber irgendwie auch nicht geil. Verpackung täuscht eben oft über Inhalt hinweg. Aber es gibt die seltenen Begegnungen mit Alben, die nicht nur aussehen wie der perfekte Chocolate-Cheescake mit extra Karamelsauce, sondern auch so schmecken – beziehungsweise sich in sämtlichen Gehirnwindungen festsetzten und für lange Zeit da kleben bleiben.

Die Verpackung der Dead Bunny Platte ist ein richtig tolles (Hipster/Meme)-Artwork: eine Eule mit Monokel und ja, das sieht ziemlich bestechend aus. Kombiniert mit einem Satz, den auch Twenty-Somethings amüsant finden. “Der Titel ist ein Paradox, an dem sich schlaue Eulen den Schnabel wetzen können”, steht auf der Homepage der Band. Egal, so lange sie like a sire einen Monokel trägt.

Das ganze Äussere macht richtig Laune, reinzuhören. Was man hört, lässt auch gleich das alles wieder vergessen. Auf dem Grund: Rock – direkt, ohne 80′ies Glitzer, ohne Pomp, ohne zu enge Höschen, aber mit einem Hauch Drama und Epik. Ironisch, nachdenklich, schnell, punktgenau. Und auch mal mit einem Löffel Surf und ein bisschen Folk garniert. Eine ähnliche Offenbarung wie vergangene Alben von Hanni El Khatib, The Black Keys oder Queens of the Stone Age.

Der Opener “Fernando” katapuliert den Hörer direkt an die amerikanische Westküste, wo man surfen kann – Kalifornien oder vielleicht doch etwas südlicher nach Mexiko, wo sich die halbakustischen Riffs des Tracks besser heimisch fühlen würden. Der gemächlichste Song “Shadow” wird Dan Auerbach von den Black Keys oder Jack White vor Neid erblassen lassen – etwas was bei letzterm zwar nur schwierig aber nicht unmöglich ist – vorausgesetzt, jemand macht sie auf diese Blues-Rock-Balade der Superlative made in Switzerland aufmerksam. Ein ordentliches Stück aggressiver, alkoholgetränkter und bis unter die Zähne bewaffnet mit schweren Headbanger-Riffs steht “As He Said” für das, was die Band auch live auszeichnet: Power, Lautstärke und eine Ich-zeig-dir-den-Mittelfinger-Attidüde, die in Zeiten von haufenweise verständnisvollen Indie-Folk-Pop Releases sehr gut tut.

Noch weitere Anspieltipps aufzuzählen macht keinen Sinn, denn die restlichen 6 Songs sind nicht minder grossartig und machen “The Truth Is A Fucking Liar” zu einem der besten Schweizer Rockalben der Neuzeit, dass so niemand auf dem Radar hatte. (FZ)

VÖ: 24.08.2012 | Chop Records: Itunes, Cede.ch

Album Trailer

Songs im Trailer: Cold Blow | Shadow | Fernando | Save Thyself | As He Said