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Genre: Konzertreview

Es war ein wahrlich langer Weg vom Entscheid, gerne etwas über Glen Hansards Auftritt im Parterre schreiben zu wollen bis zu dem tatsächlichen Einlass: Das kommt wohl davon, dass man irgendwie nie mitbekommt, dass Lieblingsartisten in der Gegend spielen. Oder eher Lieblingsartisten von Freunden, die ihre kostbare Freizeit für das Fotografieren derer opfern.

Das Warten, Telefonieren, im Parterre vorbeigehen, Beharrlich sein und Hoffen hat sich so gelohnt, dass ich mittlerweile denke, der Aufwand hätte noch grösser sein können – und es hätte sich trotzdem gelohnt. Während der Support-Act Oliver Stone das interessante, eher ältere und angenehm unhippe Publikum unterhielt und überaschenderweise entgegen seiner sehr humorvollen Ansagen eher Schwermütiges auftischte, erhielt ich von der Parterreleitung der lang ersehnten erwünschten Einlass. Entnervt von meiner Seite und mit einem schlecht verborgenen Vorfreudetänzchen des hilfsbereiten und uneigennützigen Fotografen wurde die späte Zusage entgegengenommen.

In dem Moment, als Glen die Bühne betrat, hatte er jede einzelne Person im familiären Kreis des bereits sehr tropischen Parterres alleine mit seiner Präsenz um den Finger gewickelt- nur mit irischem Akzent, einem strahlenden Lachen und offensichtlicher Vorfreude auf die Show. Mit dem ersten Gesang bewies er, dass er Singer und Songwriter zu Recht auf der Fahne stehen hat: das Ventilatorengeräusch störte die unfassbare Intensität, den Klang und die emotionale Bandbreite seines Gesangs. In dem Moment begann ich zu ahnen, dass dies eines der besten Konzerte sein würde, die ich bisher gesehen hatte- und definitiv eines der wärmsten. Ein einziger kleiner Wermutstropfen war, dass Markéta Irglová nicht da war, die mit ihrer warmen und zarten Stimme den Stücken aus dem Once-Soundtrack und dem Album The Swell Season den letzten Schliff verleiht.

Während einige Passagen meinen Ohren irgendwie bekannt vorkamen (nach längerem Überlegen fiel mir ein, dass sie Razorlights Frontmann Johnny Borell ähnelten), war viel fremd und gleichzeitig so vertraut, als könne er in den Menschen, die vor ihm standen, lesen und das Erfahrene sofort perfekt musikalisch ausdrücken. Einzigartig. Dies und der Fakt, dass das Parterre das Prädikat kuschlig sowieso innehat, machten den Abend zu einem sehr intimen Erlebnis ohne unangenehm zu sein.

Dies ist bestimmt seinem sehr spontanem, augenzwinkerndem und bildhaften Humor zu verdanken: so verglich er Touren mit einer Band mit Piraten auf See, schliesslich tranken und sangen die auch die ganze Zeit während sie unterwegs waren. Er erzählte die Pläne für den nächsten Tag, was die Vorhaben der anwesenden jungen Damen ihrem Blitzen in den Augen nach schlagartig änderte und gab zu, dass die Idee der aktuellen Tour bei Bier entstanden sein. Seien wir dankbar, dass Dinge in Irland so entschieden werden. ( jag )