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Genre: Alternative | Electro | Rock | Trip Hop

8 Songs, 33 Minuten Spielzeit, 4 Jungs, 3 Zungen, 1 Stein: voilà. Fertig ist die erste CD der jungen Basler Band Kapoolas. Benj (voc, bs), Thomas (git), Damian (key, git) und Florian (dr, perc, samples) bewohnen seit sechs Jahren ihr verspieltes Universum namens Kapoolas und locken Klänge und Rhythmen aus ihren Instrumenten hervor, die von erfrischender Verspieltheit und witzig-vertrackten Gedankengängen zeugen. Man kann annehmen, dass diese Band sich endlosen Jams im Proberaum hingibt und dabei auf Klangfetzen, Temposchwenker und Taktvarianten stösst, die in verschiedenen Schachteln der Musikgeschichte zum Zwecke des Recyclings geduldig vor sich hinlagern: von Prog bis Trip, von Bossa bis New Wave, von Surf bis Glockenspiel, von Easy bis Pop mit poliertem Ausrufezeichen.

Noah und seine Gesellen

Der Werdegang der letzten Jahre: 2008 rockten Kapoolas die Bühne für die Charlatans in der Kaserne warm, 2009 spielten sie am Jugendkulturfestival Basel und der Auftritt wurde vom JKF folgendermassen beworben: «Die neuen Songs klingen groovig-federnd und eindringlich, nach grossem Pop-Entwurf mit eingestreuten Elektronikflocken und einer Prise Rock und Jazz. Sehr stilvoll das ganze». Nun, jetzt liegt die Debut-CD mit dem nicht ganz Regenwald-Retten!-konformen, aber immerhin biblisch gesprochen wasserdichten Titel «Cut Down Trees (We Need An Ark)» vor. Man weiss ja nicht, zu welcher Musik Noah und seine Gesellen damals die Arche zusammenzimmerten, aber hätten sie Kapoolas’ Musik dazu gehört, wäre die Arche wohl recht schräg und zwar hübsch, aber wenig funktionstüchtig herausgekommen und – bildlich gesprochen – die ganzen Elefanten, Krokodile und Kamele wären alle erbarmungslos abgesoffen. Man wüsste heute zum Beispiel nicht so recht, was man am Sonntagnachmittag im Basler Zolli angucken sollte, weil … eben: keine wilden Tiere, nirgends. Nur ein paar Fische und Taschenkrebse.

Zurück in der Gegenwart: Die CD mit dem ätzenden Cover macht Spass. Gleich mit «Headlines» gehts in die Vollen, «Waiting» wird von einer schmucken Pianolinie durch die Cocktailparty gelotst, «Soma» knarzt zuerst mit Elektroniksprengseln, holt aber am Schluss doch noch die dicken Gitarrenriffs aus dem Koffer. «Kei Antwort» ist Mundart und ein wenig, aber nicht ganz erfolgreich, bei Matto aus dem Laufental abgeguckt, während der Titelsong und auch anderes an die besten Zeiten der Boomtown Rats erinnert (nein, nicht der «Don’t Like Mondays» Song!). In «Rewind And Repeat» dann zeigt die Sängerstimme was sie kann. Einiges. James Legeres-Liga.

«Nobody can stop us» heisst es irgendwo in einem der Songs auf der Kapoolas-Platte. Wahrlich keine neue Ansage im Pop/Rockgeschäft, aber warum nicht. Wir wollen es auf jeden Fall hoffen. Das Wasser steht uns eh schon bis zum Hals, also los: schwingt die Äxte!

Doktor Fisch - www.rfv.ch

Discography

2010 Cut Down Trees (We Need An Ark)

Tracks - Cut Down Trees (We Need An Ark)

1 Headlines /  2 Waiting /  3 Soma /  4 Kei Antwort  /  5 Cut Down Trees (We Need An Ark) /  6 Rewind And Repeat /  7 Master/Slave /  8 And If The Rain Falls…