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Genre: Action | Drama

Mit BELLFLOWER ist dem amerikanischen Regisseur Evan Glodell ein echter Geheimtipp von einem Independent-Film gelungen. Erzählt wird eine Geschichte über Liebe, den Verlust der Liebe durch Betrug und wie man damit umgeht. Angereichert wird das Ganze mit einem authentischen Flair, einer sehr speziellen Bildsprache und einer apokalyptischen Schlagseite, die dem Film seinen ganz besonderen Touch verleiht. Fingerzeig hat sich mit Evan Glodell – der im Film übrigens auch die Hauptrolle spielt – über BELLFLOWER unterhalten.


Fingerzeig: Wenn du nun auf deine Kindheit zurückblickst, welche Filme haben dich da besonders beeindruckt?
Evan Glodell:
Schwere frage. Meine Kindheit ist sehr verschwommen. Ich kann mich noch daran erinnern Filme wie DIE UNENDLICHE GESCHICHTE, A CLOCKWORK ORANGE und DER DUNKLE KRISTALL gesehen zu haben – jedoch wusste ich damals noch nicht, dass es sich dabei nur um Filme handelt. Wenn ich also an meine Kindheit denke, da habe ich hauptsächlich Bilder aus diesen Filmen in meinem Kopf. Das erste Mal, als ich wegen eines Films richtig durchdrehte und ihn unbedingt sehen musste, war, als ich den Trailer zu ARMY OF DARKNESS im Fernsehen sah.

Fingerzeig: Feuer ist ein zentrales Element in BELLFLOWER. Man hört, dass du im Alter von 12 Jahren einen Flammenwerfer gebaut hast. Wie kommt man als 12 Jahre alter Junge auf solch eine Idee?
Evan Glodell: Seid ich denken kann, bin ich von Feuer besessen und davon, Dinge selbst zu bauen. Es macht somit absolut Sinn, dass ich als kleiner Junge ab einem gewissen Alter damit angefangen habe, Waffen und andere gefährliche Dinge zu bauen. Jeder weiß es, Jungs sind irgendwie immer verrückt.

Fingerzeig: Vor allem gefährlich.
Evan Glodell:
Das kannst du laut sagen (lacht). Es gab da mal einen Vorfall: Ich hatte einen Chemiebaukasten, mit welchem ich mir selbst beigebrachte, wie man Schießpulver macht. Durch ein Versehen explodierte eine kleine, von mir selbst gebastelte Bombe genau dann, als ich zusammen mit meinem besten Freund vor ihr saß. Wir beiden zogen Verbrennung davon, die glücklicherweise jedoch nicht so schlimm waren. Ich hatte immer sehr viel Glück mit solchen Dingen. Ich mag den Gedanken, dass alle Fehler, die ich als Kind gemacht habe, mir dabei geholfen haben, während der Arbeit an BELLFLOWER umso vorsichtiger zu sein.

Fingerzeig: Wann genau hast du den Entschluss gefasst, ein Filmemacher zu werden?
Evan Glodell:
Als ich 18 Jahre alt war, da habe ich mich für Maschinenbau an der Universität von Wisconsin eingeschrieben. Nach einer Woche merkte ich jedoch, dass das nicht das Leben war, welches ich wollte. Als mir bewusst wurde, dass Maschinenbau nichts für mich ist, kam mir die Idee, es als Filmmacher zu versuchen. Ich entschloss mich als nach Kalifornien zu gehen, wo ich dieses Vorhaben in Angriff nahm.

Fingerzeig: BELLFLOWER ist nicht nur ein Film über die Liebe und wie man mit dem Verlust der Liebe umgeht. BELLFLOWER ist also ein Film über eine Männerfreundschaft und das jene stärker sein kann, als die Liebe zu einer Frau. Beruht diese Erkenntnis auf persönlichen Erfahrungen von dir?
Evan Glodell: Die Beziehung, die ich hinter mir ließ, als ich die Geschichte zu BELLFLOWER geschrieben habe, war für mich absolut zerstörerisch. Ich wollte damals einfach nur noch sterben. Wären meine Freunde nicht für mich da gewesen, dann hätte ich diese Zeit wohl nicht überstanden. Ob eine Männerfreundschaft nun stärker als die Liebe zu einer Frau ist, da bin ich mir nicht sicher. Ich denke, ein jeder wird da seine eigene Antwort darauf haben.

Fingerzeig: Wie viel von deiner eigenen Lebenserfahrung hast du in die Geschichte von BELLFLOWER einfließen lassen?
Evan Glodell:
Vermutlich viel zu viel (lacht). Ich war noch sehr jung – 23 Jahre alt – als ich den ersten Storyentwurf verfasste und dabei feststellte, dass mir sowohl die Erfahrung im Schreiben wie auch Filmemachen fehlte. Um dies zu kompensieren, habe ich mich entschlossen, sowohl Elemente aus meinem eigenen Leben wie auch Fiktion in die Geschichte einfließen zu lassen.

Fingerzeig: Die beiden Hauptfiguren im Film sind große Fans von MAD MAX 2. Wieso hast du dich gerade für diesen Film entschieden?
Evan Glodell: Der Film hat als Kind meine ganze Vorstellungskraft geprägt. Ich habe mir den Film schon oft angesehen und finde, die Themen darin sind auch heute noch aktuell.

Fingerzeig: Eines der Highlights des Filmes ist die Medusa – ein speziell für den Film gebauten Muscle-Car mit einem Flammenwerfer. Wie ist die Idee zu Medusa entstanden?
Evan Glodell: Es gab einen Punkt im kreativen Entstehungsprozess von BELLFLOWER, wo mir in den Sinn kam, wie gerne ich als Kind einen Wagen wie in MAD MAX haben wollte. Mir gefiel der Gedanke, die Figur im Film mit dem gleichen Wunsch auszustatten. Wir alle – die wir am Film arbeitenden – unterhielten uns darüber, welcher Endzeitwagen wohl der beste wäre und was für spezielle Eigenschaften wir ihm einbauen könnten. Wir brachten einen ersten Entwurf zu Papier und fingen dann an, den Wagen aus verschiedenen Einzelteilen zusammenzubauen.

Fingerzeig: Wie viel Zeit habt ihr benötigt, Medusa zu bauen?
Evan Glodell:
Mit Unterbruch haben wir insgesamt drei Jahre an dem Wagen gearbeitet. Ich bastle jetzt noch an ihm herum, obwohl der Film längst abgedreht ist. Sehr schwierig war es, den Motor zum Laufen zu bringen bzw. ihn laufen zu lassen. Wir haben insgesamt vier Mal den Motor gekillt, weil wir zu hochtourig damit gefahren sind (lacht). Den Flammenwerfer einzubauen, war ebenfalls alles andere als einfach.

Fingerzeig: Welche Intention verfolgst du mit BELLFLOWER?
Evan Glodell: Auch eine sehr schwere Frage. Ich habe mir diese Frage all die Monate immer wieder gestellt, in welchen ich an BELLFLOWER gearbeitet habe. Jedes Mal kam ich auf eine andere Antwort. Nun, nachdem der Film auf dem Markt ist, erhalte ich von vielen Leuten Feedback und mir fällt auf, dass viele den wichtigsten Punkt im Film übersehen. Der Film erzählt eine sehr persönliche Geschichte über einen Teil meines Lebens und eine spirituelle Reise, die ich heute als sehr wichtig erachte. Es geht darum, einen Menschen gehen zu lassen, zu vergeben. Man darf nicht im Leben stehen bleiben und sich in Hass und Selbstmitleid verlieren. Ich denke, dies trifft sowohl auf die Situation zu, wenn dein Herz gebrochen wird, wenn man von einem guten Freund betrogen wird.

(Nando Rohner)

Die DVD ist seit dem 05.04.12 erhältlich (D/E). Presse-Text:

Woodrow und Aiden sind nicht nur die besten Freunde, sie teilen auch dieselbe Sehnsucht nach einer globalen Katastrophe in der Hoffnung dann mit ihrer erfundenen Autogang “Mother Medusa” die Strassen der USA unsicher machen zu können. Von dieser Passion angetrieben widmen sie ihre ganze Freizeit dem Bau von Waffen und Flammenwerfern, mit welchen sie ihre Autos aufrüsten können. Als Woodrow an einem Wochenende die wunderschöne Milly kennenlernt und sich beide ineinander verlieben, verändert sich jedoch alles. Es ist der Beginn eines Strudels bestehend aus Hass, Liebe, Verrat, Gewalt und… Feuer! (cede.ch)

Regie:

Evan Glodell

Besetzung:

Evan Glodell
Jessie Wiseman
Tyler Dawson
Rebekah Brandes