by Fingerzeig

Neuland

Bereits seit vier Jahren bereichert die Hinterhof Bar das Basler Nachtleben – und ist für viele bereits ein fester, nicht mehr wegzudenkender Teil der Ausgangszene geworden. Grund genug also, zum vierten Jubiläum dem Mitglied der Hinterhof-Geschäftsleitung Phillippe Hersberger auf den Zahn zu fühlen und herauszufinden, was sich eigentlich in den letzten vier Jahren alles getan hat – und wie die Zukunft aussehen wird.


Fingerzeig.ch: Ihr feiert am Wochenende vom 7./8. März euren 4. Geburtstag. Wie ist eure Gefühlslage?


Phillippe Hersberger:
Wir haben am Anfang nicht einmal gewusst, ob wir unser Einjähriges in der Hinterhof Bar feiern können und befinden uns mittlerweile in der vierten oder fünften Verlängerungsphase. Erstmals wissen wir auch, dass wir bis Ende 2015 bleiben können. Es fühlt sich gut an. In den letzten Jahren haben wir immer wieder gehofft, bleiben zu können und sind viele Risiken eingegangen – der Bau der Dachterrasse, den Umbau des Foyers und die Investition in eine Soundanlage zum Beispiel. Das Dach hatten wir eigentlich mal für ein Jahr ausgebaut und dementsprechend darauf geachtet, nicht zu viel Geld investieren zu müssen. Da sie nun bereits das vierte Jahr besteht, müssen wir wohl für diese Dachterrassen-Saison noch einiges reparieren.

FZ: Nervt diese ständige Unklarheit nicht manchmal?

Hersberger: Planen ist schwierig, gerade was Investitionen bezüglich der Infrastruktur angeht. Was bleibt ist ein Restrisiko für uns als Betreiber. Hätten wir am Anfang gewusst, dass wir fünf Jahre bleiben können, hätten wir vielleicht Investoren gesucht und schon zu beginn das Dach ausgebaut und eine richtig gute Soundanlage gekauft. So entstand alles Schritt für Schritt – rückblickend fühlt sich diese Entwicklung gut an und macht auch den Charme von Hinterhof aus.

FZ: Wie hat sich deine Arbeitsweise in den letzten Jahren verändert?

Hersberger: Zum Beginn haben wir oft Freunde eingespannt und andere Connections genutzt – mittlerweile arbeiten wir professioneller und müssen nicht immer noch selber 200% vor Ort sein. Wir wollen uns nicht verheizten und das Team ist logischerweise grösser geworden. Die Kunst ist, trotz aller Professionalität die familiäre und freundschaftliche Atmosphäre zu behalten. Wir sind aber weiterhin auf einem guten Weg und spüren, dass unser gesamtes Team von der Kasse über die Bar bis zum Reinigungsteamteam nicht nur aus finanziellen Gründen bei uns arbeitet.

FZ: Wie ist das Verhältnis zwischen euch und der Immobilie Basel-Stadt?

Hersberger: Wir stehen in einem guten Dialog und wir verstehen, dass die Immobilie Basel-Stadt ein Unternehmen ist, das ökonomisch denkt und handelt. Dennoch macht sich manchmal Frust breit, weil wir uns nicht genug wertgeschätzt fühlen: Wir bieten der Stadt sehr viel, sprechen mit unseren Events und der Dachterrasse ein breites Publikum an und wünschten uns manchmal mehr Commitment von der Stadt-Basel, um nicht jedes Jahr auf einen Verlängerungsbescheid warten zu müssen.

FZ: Seit November habt ihr einen neuen Nachbar – wie ist das Verhältnis zur Kontakt – und Anlaufstelle(K&A)?

Hersberger: Für uns ist es zu früh für ein Fazit. Bisher hatten wir nur an einem Tag beide zur selben Zeit offen, am 3. Dezember, Als Shantel & Bucovina Club Orkestar spielte. Auswärtige Gäste sind damals versehentlich in die K&A reingelaufen, weil sie die Hinterhof Bar suchten. Die Securitas von beiden Seiten haben allerdings schnell und souverän reagiert, so dass wir super aneinander vorbei kahmen. Allerdings bemerken wir bei einigen Besuchern Berührungsängste. Bedenken haben wir bezüglich der Freitagabende im Hochsommer, wenn die Terrasse viel frequentiert wird und die K&A ebenfalls. Dann wird es wohl ein wenig eng.

FZ: Sprechen wir über etwas Erfreuliches: Letzte Woche spielte Bühne Huber ein Gastspiel- ist das ein Schritt weg von einem sehr elektronischen Programm?

Das Herz der Hinterhof Bar schlägt sicherlich am stärksten für die elektronische Musik, insbesondere für elektronische Live-Acts. Allerdings stelle ich in letzter Zeit eine Übersättigung dieses Genres statt. Als wir anfingen, gab es das Presswerk, die Satisfactory und das Nordstern, die sich auf elektronische Musik konzentrierten. Mittlerweile sind viele Clubs dazugekommen und viele scheinen das Selbe zu machen. Wir wollen uns wieder mehr öffnen – auch wenn es nicht einfach ist. Dennoch, wir finden ein durchmischtes Programm weiterhin sehr spannend. Für Konzerte haben wir ein grosses Herz, aber sie rentieren finanziell nicht, im Gegenteil, oft sind sie nicht mal eine Nullrunde. Trotzdem soll es im kommenden Jahr wieder mehr Konzerte geben, aber auch Parties mit verschiedenen musikalischen Genres. Denn auch die Block Party oder auch Boogie Nights sind hervorragend und nicht mehr von unserem Programm wegzudenken. Die Leute suchen wieder mehr Abwechslung und wir wollen diese in Zukunft wieder vermehrt bieten – und dennoch gute Elektronische-Live-Acts und Dj’s haben. Nächstes Wochenende ist die BScene zu Gast, das ist bereits etwas Neues für uns.

FZ: Viele Clubs in Basel sind heute günstig oder kosten eher weniger – ihr habt mit dem Foyer noch mehr Platz- wie schwierig ist es, den Club zu füllen?

Hersberger: Wir sind froh um das Foyer, weil es ein Raum ist, in den man sich zurückziehen kann, wo man reden und einen Drink in mehr Ruhe als im Club Bereich geniessen kann. Für uns verliert sich die Masse nicht. Der Eintritt mag höher sein, als bei gewissen anderen Anbieter in Basel. Aber wir finden nicht, dass wir zu teuer sind – im Gegenteil. Wir rechtfertigen unser Eintrittspreise mit unserem Gesamtangebot – unseren Line-Ups, einer sehr guten Infrastruktur und dem Service an der Bar in all seinen Facetten. Zudem ist unser Publikum eines der älteren in Basel, ziemlich gemischt und bereit für Qualität zu zahlen.

FZ: Wir haben viel von der Vergangenheit gesprochen- zum Abschluss würden wir gerne wissen, auf was ihr euch in Zukunft freut.

Hersberger: Das Booking bis in Sommer ist gemacht, aber davon möchte ich noch nichts verraten. Auf was wir uns sehr, nebst der Dachterrasse, freuen ist „Hinterhof Brasilien“ während der Fussball-WM. Neben Public Viewing planen wir auch kulturelle Eigenheiten des Gastgeberlandes zu präsentieren, abgerundet mit einem musikalischen spannenden Programm – das wird eine weitere spannende Erfahrung und wir sind sehr gespannt darauf.

Wir von Fingerzeig.ch wünschen dem Team Hinterhof alles Gute zum vierten Geburtstag und empfehlen euch, die Feier dazu nicht zu verpassen!