by Micha de Roo

Kolumne

Nach der Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative führte Roosige Aussichten-Politikanalyst Michel Dereaux ein Interview mit Chris B. Locher, dem Sprachrohr der Initianten.

Roosige Aussichten: Herr B. Locher, die Baslerinnen und Basler haben mehrheitlich gegen die Masseneinwanderungsinitiatve gestimmt. Hat Ihre Zeitung aus Basel (zaB) versagt?

Christoph B. Locher: Nun, die Instrumentalisierung der Medien braucht halt schon ein Weile. Natürlich haben ich dem Chefredaktor klare Anweisungen gegeben. Er sollte sich in seinen Kommentaren bewusst gegen die Initiative aussprechen, um die Botschaft der linken Medien zu untergraben.

Roosige Aussichten: Was Ihnen misslungen ist.

Christoph B. Locher: Es hat in Basel letztlich in der Tat nicht geklappt, diese Bebbis sind schon eine echte Knacknuss. In etwa fünf bis zehn Jahren wird es Früchte tragen, dass wir die zaB für unsere Zwecke nutzen können, da bin ich mir sicher. Aber Hauptsache, wir haben die Abstimmung zur Masseneinwanderung nun trotz Kantonen wie Basel-Stadt gewonnen.

Roosige Aussichten: Wir hatten den Eindruck, dass Sie mit der Masseneinwanderungsinitiative verschiedene Themen vermischen, unter anderem  Asylpolitik, Wohnungsknappheit, Personenfreizügigkeit, Arbeitslosigkeit und Kriminaltourismus. Ist das richtig?

Christoph B. Locher: Natürlich, was denken Sie denn! Wenn man alle Themen einzeln abhandeln würde, kämen wir nie zum selben Resultat. Das Rezept besteht darin, pauschale Antworten auf komplexe Fragen zu geben, dies mit Botschaften, die jeder Durchschnittsbürger versteht, wie beispielsweise „Fuck the EU“.

Roosige Aussichten: Grundsätzlich ist es ja mutig von Ihnen, gegen die EU anzutreten und zu behaupten, sie würde uns bei neuen Verhandlungen entgegenkommen, da sie auf uns angewiesen sei. Wie werden Sie reagieren, wenn die Schweiz als Folge dieser Abstimmung nun doch mehr Schaden nimmt als profitiert?

Christoph B. Locher: Sie Grünschnabel haben offenbar keine Ahnung davon, wie wir Politik machen.

Roosige Aussichten: Das stimmt, ich bin nur ein dummer Amateurschreiber, aber bitte erklären Sie es mir.

Christoph B. Locher: Das ist doch simpel. Wir haben die Initiative so schwammig formuliert, dass wir uns in jedem Fall aus der Affäre ziehen können. Wir haben zum Beispiel bei den Kontingenten keine Zahlen genannt. Erleidet die Schweiz einen Schaden, behaupten wir einfach, dass der Bund bei den Kontingenten falsch vorgegangen ist. Wir haben zudem festgehalten, dass das wirtschaftliche Gesamtinteresse der Schweiz berücksichtigt werden muss. Wir werden am Schluss also immer als Gewinner dastehen oder uns zumindest aus der Verantwortung stehlen können.

Roosige Aussichten: Und wer sind dann die Verlierer?

Christoph B. Locher: Alle ausser uns natürlich. Vielleicht noch unsere Wähler mit niedrigem Einkommen. Deren Interessen untergraben wir ja laufend, nur merken sie das zum Glück nicht. Wir brauchen sie ja eigentlich auch, um bei unseren Parteianlässen gute Stimmung zu verbreiten und unsere Parolen nachzuplappern.

Roosige Aussichten: Noch eine letzte Frage: Masseneinwanderungsinitiative ist für den Schnitzelbänggler ein schreckliches Wort, da es viel zu viel Platz braucht. Was raten Sie den armen Dichtern?

Christoph B. Locher: Sie sollen die Abkürzung MEI verwenden. Das passt zum Beispiel hervorragend zu „ei ei ei“.

(Micha de Roo)

Micha de Roo ist Polit- und Gesellschaftssatiriker und Gelegenheits-Slampoet.