by Micha de Roo

Kolumne

NSA Teil II: Danke, Snowden!

Die Sommerferien sind vorbei, Snowden konnte den Transitbereich des Moskauer Flughafens verlassen und hat in Russland vorläufiges Asyl erhalten. Während sich die meisten Medien bereits anderen Themen zugewandt haben, lässt Roosige Aussichten ihn nicht hängen.

Schliesslich wissen wir dank ihm: Die NSA wühlt (weiterhin) täglich in unseren Mails herum. Zapft Handygespräche an. Und hat Speicherkapazitäten für den weltweiten Datenverkehr der nächsten 100 Jahre.

Die eigentlich fast schon bemitleidenswerte Truppe von Schreibtisch-Schnüfflern kämpft Monat für Monat gegen eine Flut von um die 90 Milliarden Mails, Telefongesprächen, Faxen und WhatsApp-Emoticons. Bei diesem Daten-Tsunami muss die NSA zwangsläufig auf Filterbegriffe bauen, um die Terroristen ausfindig zu machen, wie der Tagesanzeiger berichtete.

Dabei suchen die Rechner des US-Geheimdienstes nach Wörtern wie “al-Qaida”, “Schmutzige Bombe” und “Terrorismus”. Tja. Wenn man Verdächtige festnehmen kann, die solche Begriffe in ihre Unterhaltung einstreuen, hat man wohl mindestens den Teil mit einem IQ unter 100 dingfest gemacht. Die mit etwas mehr Synapsen ausgestatteten Bösewichte kommunizieren jedoch offenbar mit besonders raffinierten Schlagwörtern wie “Schweinefleisch”, “Rind” und “vegetarisch”.

Womit wir bei der Fleisch-Debatte der Basler Uni-Mensa wären, die vor ziemlich genau einem Jahr die Gemüter – zumindest unter Studierenden – erhitzte. Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die NSA auf den Plan rief, welche sich wohl auf der Spur einer neuen Terrorzelle gewähnt haben muss.

Mann stelle sich vor, wie sie beispielsweise folgendes Telefon-Gespräch zwischen aufgebrachten Basler Vegi-Studierenden abhörten:

“Ob Rind- oder Schweinefleisch – ich will, dass sämtliches Fleisch von der Mensa-Karte verschwindet.”

“Du hast völlig recht, wir sollten zum Angriff übergehen.”

Bill, NSA-Bürotiger und seit Jahren auf seine nächste Beförderung wartend, stürmt das Büro seines Chefs, der gerade gewissenhaft Youporn nach Terroristen durchforstet.

“Ich hab’ vermutlich ein Terroristen-Nest aufgespürt”, platzt es aus Bill heraus, “die Uni-Mensa in Basel!”

Der Chef, doch eine Nasenlänge cleverer als Bill, lässt überprüfen, ob die Uni-Mensa in den Basler Online-Medien ein Thema ist. Und gibt prompt Entwarnung, als sich herausstellt, dass sich das abgefangene Gespräch tatsächlich nur um die Speisekarte der Uni-Mensa drehte.

“Diese Studierenden und ihre Probleme”, brummt der Chef in seinen Bart, während Bill niedergeschlagen aus dem Büro trottet. “Als ich an der Uni herumhing, demonstrierten wir noch gegen Vietnam.”

(Micha de Roo)

Micha de Roo ist Polit- und Gesellschaftssatiriker und Gelegenheits-Slampoet.