by Adam Schwarz

Books

Beinahe schon ironisch: Sämtliche Hauptfiguren in „Drei Frauen“ sind Männer. Zumindest werden die Geschichten aus der männlichen Perspektive erzählt. Der schmale Band versammelt drei Erzählungen von Robert Musil, einem der wichtigsten Schriftsteller der frühen Moderne. Darin begegnen sich dreimal Mann und Frau zu drei verschiedenen Zeiten und an drei verschiedenen Orten. Allen diesen Begegnungen ist gemeinsam, dass die Männer durch die Frauen ein Unglück erleiden. Bei Musil sind die Geschlechter einander fremd.

Wie zum Beispiel in der ersten Geschichte, „Grigia“. Darin verfällt der Angestellte einer Bergwerksgesellschaft in einem abgelegenen norditalienischen Bergdorf einer jungen Bäuerin. Musils fängt die Atmosphäre des Dorfes poetisch-nüchtern ein, setzt die Langeweile der Angestellten der Gesellschaft dem fremden, erdenhafte Wesen Grigias gegenüber. Die Bäuerin verbringt den Tag alleine auf dem Berg. Als der Erzähler sie einmal beim Rollen von Heuballen beobachtet, kommt sie ihm vor wie ein Käfer, wie aus einer anderen Welt. Der Mann fürchtet, dass ihre Liebschaft entdeckt wird. Denn wenn er mit Grigia im Heustall schläft, sind draussen dauernd Schritte zu hören. Die Bäuerin lässt sich davon nicht stören. Dem Mann dagegen gelingt es nicht, zu ihrer Unbefangenheit zu finden. Er wird kein Bergmensch. Auch am nicht am Ende, als das Paar von Grigias Ehemann überrascht wird, der die beiden in eine Höhle und zu einem für den Protagonisten unerfreulichen Ende treibt.

Der Band ist mit 158 Seiten recht klein gehalten. Die drei Erzählungen lassen sich in einigen Stunden lesen, sind also ideal für längere Zugfahrten – vielleicht in die norditalienischen Alpen?