by Fingerpuppe

Kolumne

So, dies ist der letzte Eintrag zu meiner Zeit in Berlin, denn die ist um. Einen wichtigen Aspekt habe ich aber (bewusst) noch nicht aufgegriffen: Das FEIERN!!! Klar habe ich hier schon wundervolle Orte gesehen und zu noch besserer Musik getanzt. Trotzdem wollte ich bis zum Ende dieses Semesters mit dem Eintrag warten, um ein möglichst umfassendes Fazit aus meinen Erlebnissen zu ziehen. Aus diesem Grund hier ein paar Gedanken zu den Menschen, der Musik, den Orten:

Die LOCATIONS: Der grösste Pluspunkt, den Berlin (im Vergleich zu Basel) hat, sind die vielen Freiräume. Zur Freude des Partyvolkes hat die Stadt kein Geld, um alles, was rottet sofort platt zu walzen und mit neuen Wohnungen zu bebauen. So werden auf vielen brachen Flächen an schönen Tagen Dj Pulte und Boxen hingestellt, und es wird getanzt. Etwas, was ich mir auch für Basel nach der NT und Hinterhof-Tragödie sehnlich wünsche: Lasst uns unsere Freiräume! (Oder schenkt uns zumindest neue, wenn ihr uns schon welche wegnehmt, liebe Regierung…)

Die MUSIK. Ohne sie wären die Parties (auch in Berlin) wahrscheinlich ziemlich lahm. Die Musik ist nicht nur ausserordentlich laut (als Baslerin kaum vorzustellen, aber hier beschwert sich niemand über die Lautstärke!), sondern auch ausserordentlich gut. Was die DJs hier auf die Plattenteller hauen hat wirklich was. Allerdings gibt es dabei ein Problem: Ich als Nicht-Berlinerin bin mir gewohnt, dass früh morgens die letzten Clubtüren schliessen. Hier dauern die Parties aber meist noch den ganzen darauf folgenden Tag. D.h. wenn man wegen eines bestimmten DJs an eine Party geht kann es sein, dass man locker einen halben Tag im Club warten muss, bis der besagte DJ auflegt- da wird der Partymotor ganz schön auf die Probe gestellt. Kein Wunder, nehmen in Berlin so viele Menschen Drogen!

Da wären wir auch schon beim 3. und letzten Punkt: Dem PARTYVOLK: Wo in Basel schon langsam die Zapfhähne zugedreht werden, blühen in Berlin die Menschen erst auf. Das tolle daran ist, dass Menschen in unterschiedlichsten Formen und Farben (Berliner Männer: Wer von euch ist eigentlich auf die Idee gekommen, sich Glitzer ins Gesicht zu schmieren?)

zusammenkommen, um gemeinsam (meist zu Techno versteht sich) zu feiern. Es gibt keine Schlägereien, keine dummen Anmachsprüche- hier wird auf der Tanzfläche noch getanzt. Die Stimmung ist friedlich, alle Tanzenden befinden sich in ihrer eigenen, mit elektronischer Musik gefüllten Glücks-Blase. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das nicht nur an den Drogen liegt.

Aber was nützen mir schon fröhliche, glitzernde Gesichter, wenn die meiner Freunde nicht darunter stecken? Aus diesem Grund ist es auch nicht schlimm, anstatt in Berlin zu guter Musik zu tanzen, wieder in Basel mit den Lieblingsmenschen in einer Bar zu versumpfen. Berlin rennt ja nicht weg.