Dienstag 05.12.2017, 20:00

Where: basel kaserne
Genre: Performance | Tanz

Der österreichische Bauernbursch Simon Mayer steigt in «Sons of Sissy» in den Kosmos von Traditionen, Volkstänzen und volkstümlicher Musik. Auf experimentelle Weise bedienen sich die vier Performer und Musiker traditioneller alpiner Livemusik, diverser Gruppentänze und ritualisierten Praktiken. Vorbei an militärischen Märschen, religiösen Geisselungen oder männlichen Rollenbildern wirbeln sie uns durch Gegenden, wo Stampfen, Klatschen, Atmen – losgelöst vom Dreivierteltakt und Lederhose – Heimat als eine Suche nach dem Selbst frisch definieren. Sie befreien diese Rituale von Konservativismus und Konventionen und etablieren eine neuartige Fusion aus künstlerischen Neuinterpretationen und temporären sozialen Bedeutungszuschreibungen. Jenseits von Kategorisierungen und Schubladendenken machen die «Sons of Sissy» ihrem Namen alle Ehre: Sie gebärden sich mal als schräges Volksmusikquartett, mal als experimentell verspielte Ritualtanzcombo und brechen radikal und humorvoll traditionelle männliche Rollenbilder im Brauchtum auf.

Simon Mayer wuchs auf einem Bauernhof in Oberösterreich auf, wo er Jodeln und Schuhplatteln lernte. Doch seine Begeisterung für Patrick Swayze (Dirty Dancing, 1987) führte ihn später zum Ballett der Wiener Staatsoper. Es folgte die renommierte Tanzschule P.A.R.T.S., dann tanzte er für Choreograf_innen wie Anne Teresa de Keersmaeker bis er begann, eigene Choreografien zu entwickeln. Nackt und allein stand er in seinem ersten Solo «SunBengSitting» auf der Bühne und wurde zum Publikumsliebling der österreichischen Tanz- & Performanceszene. Den Ansatz, Brauchtum und Traditionen auf moderne Choreografie treffen zu lassen, führt er in «Sons of Sissy» weiter und fragt, was passiert, wenn man das Volkstümliche vom Völkischen befreit?