Sonntag 24.01.2016, 20:30

Where: Kaserne
Genre: Mundart-Pop

Die Schweizer Formation Phalle Fatale gruppiert sich um den Schlagzeuger Fredy Studer, der den europäischen Jazz bereits mit dem Trio Koch-Schütz-Studer und dessen unnachahmlicher urbaner Weltmusik-Inversion zwischen präziser Kammermusik und ohrenbetäubender Noise-Attacke revolutionierte. Phalle Fatale ist noch weniger kategorisierbar als alle bisherigen Gruppen des Drummers.
Die Band spielt Songs, die jedoch mehr Klangskulpturen ähneln als Liedern im klassischen Sinn des Wortes. Selbst wenn sie sich eines Klassikers wie Bob Dylans «Desolation Row» annehmen, verfremden und entmystifizieren sie diesen bis zur Unkenntlichkeit. Mit ihrer unwiderstehlichen Fähigkeit, herkömmliche Songstrukturen zu skelettieren, schliessen sie an die längst verhallten Errungenschaften des No Wave der frühen 1980er Jahre an. Studer muss seine exorbitante Virtuosität schon lange nicht mehr herausstellen. Bei Phalle Fatale tritt er minimalistischer denn je in Aktion.
Mit zwei Kontrabässen, zwei Frauenstimmen, offensiven Electronics, seinem Schlagzeug und einer Art dreidimensionaler Monotonie beschwört er Echos von Lydia Lunch und Laurie Anderson, über die Golden Palominos und Ambitious Lovers, bis zu Suicide und Kraftwerk herauf. Phalle Fatale sind ebenso mondän wie aufreizend, so unterkühlt konstruktivistisch wie verschroben individuell, so klaustrophob wie befreiend.