Freitag 11.12.2015, 23:00

Where: Hinterhof
Genre: Ambient | Dub | Techno

Unter all den unzähligen Veröffentlichungen, die mittlerweile jahrein, jahraus die Sinnesorgane von Millionen Techno-Fans überfluten, gibt es bis heute trotzdem bloss eine Handvoll Meisterwerke, die für die Ewigkeit gemacht scheinen: Donato Dozzy und Neels gemeinsames Projekt «Voices From The Lake» gehört unumstritten dazu.

Dozzy, der römische Altmeister des hypnotischen Techno, der seit Dekaden als Oberschamane rund um den Globus eine treue Fangemeinde unterhält und in seiner Heimat inzwischen nur mehr liebevoll ‘Il Dottore’ genannt wird, hat mit dem jungen Sound-Design-Virtuosen Neel offenkundig einen idealen Gegenpart gefunden: Denn die Kollaboration der beiden Klangvirtuosen treibt nun schon seit ihrer Live-Inkarnation am legendären japanischen Labyrinth-Festival 2011 Genre-Liebhabern weltweit das Wasser in die Augen.

Selten war man sich unter Künstlern, Experten, Bloggern und Fans elektronischer Musik so erstaunlich einig: das Duo hat mit ihrer Synthese von urchig treibenden Tribal Patterns, experimentellen Ambient-Elementen und State-of-the-Art-Klangästhetik etwas ganz und gar Einzigartiges geschaffen. Ob man diesen Sound nun als technische Revolution, zeitlose Synthese trance-induzierender Klänge oder Rückkehr zu den rituellen Wurzeln der Szene einordnet; ob man dazu – wie begeisterte Kritiker begierig berichten – seine weinenden Säuglinge in den Schlaf wiegt, in der Natur dazu meditiert oder in einer Clubnacht in andere Sphären abhebt – dies alles spielt schlussendlich eine untergeordnete Rolle.

Vielmehr lösen «Voices From The Lake» offenbar in dafür offenen Ohren und Herzen etwas Aussergewöhnliches aus, das vielleicht am ehesten als «sakral», «mythisch» oder «heilig« beschrieben werden kann: tiefe Emotionen und Einsichten, welche gerade in der heutigen Zeit zwar heimlich ersehnt werden, aber in Realität umso mehr Seltenheitswert besitzen.

Kein Wunder also, erreichte das selbstbetitelte Debut-Album 2012 nicht nur die nur die (höchstens all Schaltjahr erreichte) Resident Advisor-Bestnote 5/5, sondern auch mit grossem Abstand Platz 1 der Jahrescharts jenes wohl einflussreichsten Techno-Blogs, und gehört bereits jetzt für die meisten Experten zu den LP-Klassikern der Dekade.

Am besten lässt sich das Phänomen VFTL allerdings nach wie vor live erleben: Denn wer sich einmal dem Zauber der filigran verästelten Wurzelgeflechte oder sorgsam arrangierten, mosaikartigen Schichten bunter akustischer Glasperlen von Dozzy und Neel ausgesetzt hat, der dürfte spätestens dann zeitlebens rettungslos ihrer ganz eigenen Magie erliegen.

Umso mehr freut sich die Hinterhof Bar – nach Donato Dozzys bereits unvergesslichem «Sense»-Gastspiel vor zwei Jahren – nun zu den wenigen, auserwählten Locations zu gehören, die zu einem der ultra-raren Live-Jamsessions der beiden Techno-Pioniere einladen dürfen. Passend dazu werden für diese einzigartige Nacht die bereits langjährig in der Hinterhof Bar verankerten Labels «Sense» / «Pitch Black» und «Traxx Up» nicht nur zum ersten Mal als Veranstalter gemeinsame Sache machen, sondern auch durch DJ-Sets ihrer beiden Kreativköpfe (und begeisterten, diesjährigen «Labyrinth»-Pilger) Garçon und Simon Lemont diesem Ausnahme-Ereignis einen mehr als würdigen musikalischen Rahmen liefern.