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Genre: Festival

In ein paar Tagen ist es soweit: Das Open Air Basel geht am 14. und 15. August erneut auf dem Kasernenareal über die Bühne. Auch dieses Jahr werden die Besucher mit einem internationalen Line-up gelockt. Bevor es jedoch losgeht, hatte Fingerzeig die Gelegenheit mit dem Festivalleiter Sandro Bernasconi über Bassbremsen und schwindende Altersgrenzen zu reden. (NFA)

Die Fingerzeig-Programm-Vorschau: Hier!

Fingerzeig: Was gehört zu den Aufgaben des Festivalleiters vom Open Air Basel?

Sandro Bernasconi: Ich bin zum einen für den finanziellen Teil, wie das Sponsoring und anderweitige Unterstützungen, zuständig. Zudem habe ich auch am Programm mitgearbeitet und auch die Kommunikation mit den Behörden bezüglich Allmende und Bewilligungen gehören zu meinen Aufgabenbereichen.

FZ: Nächste Woche geht es los. Wie laufen die Vorbereitungen?

SB: Der Aufbau der Bühnen fängt am Mittwoch vor dem Festivalwochenende an. Im Moment läuft noch die ganze Time Planung, weil wir jetzt so langsam die Infos von den Bands bekommen, wann diese ankommen. Jetzt muss der Transport und alles was zu einem Festival gehört, geplant und organisiert werden.

FZ: Wo wir gerade von den Bands reden: Ihr habt auch dieses Jahr wieder ein sehr internationales Line-up am start. Ist das eine bewusste Entscheidung oder hat sich das so ergeben?

SB: Das ist absolut bewusst. Wir sind ganz klar als Festival mit einem internationalen Programm ausgerichtet. Das war auch in den vergangen Jahren so. Wir sind der Meinung, dass vielleicht gerade so etwas hier in Basel gefehlt hat.

FZ: Was ist das Geheimnis des Open Air Basel, dass man es Jahr für Jahr schafft ein Programm mit so prominenten Künstlern wie z.B. Mark Lanegan zusammen zu stellen?

SB: Da gibt es nicht wirklich ein Geheimnis. Man muss am Ball bleiben und gute Kontakte haben. Man muss das Vertrauen der Agenturen haben, um zu wissen was läuft und natürlich auch gewisse Infrastrukturen bieten damit die Künstler wissen, dass hier alles mit der Technik und Produktion funktioniert.

FZ: Was sind Eure Auswahlkriterien für die Bands?

SB: Zum einen müssen sie für uns finanziell tragbar sein. Wir können nicht einfach grosse Acts anfragen, welche wir dann aus finanziellen Gründen abweisen müssen. Dazu haben wir den Anspruch Bands zu nehmen, die nicht rein kommerzielle Musik machen. Wir möchten Musiker, welche qualitativ gute Musik machen und nicht nur das Ziel verfolgen in der Hitparade zu landen. Es geht uns um die Kunst und um den Ausdruck dieser Kunst. Mark Lanegan ist das perfekte Beispiel. Er ist schon Jahrzehnte im Geschäft und liefert immer noch Qualität ab.

FZ: Wer gehört denn in die Zielgruppe des Open Air Basel?

SB: Es ist ein sehr musikinteressiertes Publikum, welches der Musik wegen kommt und nicht für ein Happening zum Treffen und Biertrinken da ist. Das gehört natürlich auch zu einem Festival dazu. Aber wir wollten schon ein Festival schaffen, dem die Leute in Bezug auf das Musikprogramm vertrauen. Wir wollen deshalb auch nicht nur junge Leute ansprechen. Viele Leute sind mit Künstlern wie z.B. Mark Lanegan aufgewachsen und deren Publikum ist zwischen zwanzig und fünfzig Jahre alt.

FZ: Findest du generell, dass bei Musikevents so langsam die Altersgrenzen verschwinden?

SB: Ja, man sieht heute auch dreissig oder vierzig-Jährige an Technopartys. Den Begriff Jugendkultur kann man meiner Meinung nach so langsam auch ad acta legen und es einfach als Kulturform akzeptieren. Dass die Altersgrenzen verschwimmen, haben uns die Rolling Stones schon vorgelebt.

FZ: Neben dem musikalischen Teil des Festivals wird es auch ein Rahmenprogramm geben. Kannst du kurz etwas dazu sagen?

SB: Wir haben diverse Essensstände, die Pizza aus dem Holzofen oder auch handgemachtes thailändisches Essen anbieten. Dann gibt es einen XXL Töggelikasten und auch eine sogenannte Chemiserie wo man Vintageklamotten kaufen kann. Für die kleinen Gäste gibt es am Freitagnachmittag eine Kinderdisco und am Samstag bieten wir einen Wasserworkshop von Viva con Agua an. Ach ja und einen Ski-Simulator haben wir auch noch.

FZ: Seit einiger Zeit fordert das Amt für Umwelt und Energie die Konzertveranstalter auf bezüglich Lärm eine sogenannte „Bassvorschrift“ oder „Bassbremse“ anzuwenden. Betrifft euch dies als Open Air Festival auch?

SB: Ja diese Auflage ist bei uns auch drin. Allerdings handelt es sich dabei eher um eine Empfehlung. Wir haben aber ganz klar kommuniziert, dass dies mit unserm Programm nicht machbar ist. Wir versuchen uns den Empfehlungen natürlich anzunähern, aber bei zeitgenössischen elektronischen Acts ist das praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Wir wollen schliesslich auch nicht, dass sich die Konzerte dann zehnmal schlechter anhören wie auf der CD. Aber wir arbeiten mit den Behörden zusammen an einem Projekt für den Lärmschutz der Anwohner und versuchen dies zu Verbessern.

FZ: Wie schwer ist es in Basel ein Festival auf die Beine zu stellen? Ist es schwieriger verglichen mit dem Rest der Schweiz oder zum Beispiel Deutschland?

SB: Da ich ausserhalb von Basel noch nichts veranstaltet habe, kann ich nicht viel dazu sagen. Es gibt überall seine Vor- und Nachteile. Ein Punkt ist, dass es hier sehr viele gratis Festivals und Events gibt. Das führt natürlich dazu, dass die Leute es nicht mehr gewohnt sind für solche Events etwas zu zahlen. Wir haben auch mal so angefangen, doch finanziell ist das für uns nicht aufgegangen. Wir wollen auch, dass die Künstler anständig bezahlt werden. Ich finde, wir sind auch noch sehr moderat mit einem Preis von 45.- Chf für zwei Tage. Soviel bezahlt man normalerweise für einen einzigen Act.

FZ: Noch zum Schluss: Welcher Act ist dieses Jahr dein persönliches Highlight?

SB: Das sind für mich meistens die Bands, welche ich noch nie gesehen habe – in diesem Fall also Maribou State.

Alle Bands, Tickets und Zeitplan > www.openairbs.ch