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Genre: Country | Festival | Folk | Rock

Im Licht der untergehenden Sonne besteigt Ben Harper mit seinen Innocent Criminals die Bühne auf Locarnos Piazza Grande. Die gut gefüllte aber nicht übervolle Piazza war vom heissen Sommertag noch stark aufgeheizt und die den Platz säumenden Restaurants und Pizzerias gut besucht. Der stilbewusste Ben Harper erschienin einem zum Moon and Stars passenden NASA-Shirt und machte sich zwischen zwei Songs über die vom Hauptsponsor gratis verteilten orangen Hüte lustig.


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The Innocent Criminals spielen schon seit über 20 Jahren mit Ben Harper zusammen, doch sie jammten ebenso frisch und gut gelaunt als hätten sie gerade das Musikmachen entdeckt. Ben Harper sang mit seiner bezeichnenden, mal zerbrechlichen, mal starken Stimme, doch stets mit vollem Einsatz. Zudem sorgte Harpers liegende Gitarre für Gesprächsstoff. Nach einer Recherche stellte sich heraus, dass es sich um eine Lap-Steel-Gitarre (oder auch Hawaiigitarre) handelte. Gegen Ende des Konzertes spielten sie doch noch ihre Hits wie „Burn One Down“, „Steal my Kisses“ und „Amen Omen“.

Während man Ben Harpers Konzert noch auf den Bildschirmen neben der Bühne mitverfolgen konnte, blieben die Screens beim Konzert Bob Dylans schwarz. Von fünf Musikern begleitet bestieg der Altmeister die Bühne und stimmte direkt „Things Don’t Change“ an. Als ob die Bühne zu wenig belichtet gewesen wäre, liess sich Dylan noch unzählige Scheinwerfer auf Stativen auf der Bühne aufstellen. Zuerst waren wir ein wenig skeptisch, dass er nicht in Nahaufnahmen auf den Bildschirmen zu sehen ist. Doch die wunderschöne Beleuchtung und die damit einhergehende berührende, fast intime Stimmung gab Dylans „No Photo-Weisung“ recht.

Dylan

Die Stimme des mittlerweile 74-Jährigen war weniger nasal als auf alten Aufnahmen, dafür etwas rauer und heiserer. Die Lieder waren nur sehr schwer erkennbar – teilweise konnten wir nur anhand der Lyrics erahnen, welches Lied gerade gespielt wurde. Seine grossen Klassiker wie „Like a Rolling Stone“, „Knockin’ on Heaven’s Door“ und „Blowin’ in the Wind“ liess er aus, was den etwas weniger berühmten und neueren Liedern Raum gab. So war „Don’t Think Twice“ als vierter Track ein erster Höhepunkt. Nach einigen neuen Songs – unter anderem einer Interpretation von Frank Sinatras „Full Moon and Empty Arms“ – erkannten wir doch noch einige Oldies: „Shelter From the Storm“, „Ballad of a Thin Man“ und als Zugabe „All Along the Watchtower“.

 

(LBI)