Reviews

Genre: Festival

kilbi

Vielseitig gespickt mit Musik, die man nicht an jedem Festival findet, provoziert die Kilbi das Publikum jedes Jahr aufs Neue. Dieses Jahr strömten wieder 2500 Leute nach Düdingen und hörten (mehr oder weniger aufmerksam) den verschiedensten Formationen zu. Auf der Suche nach innovativer Musik kam man dieses Jahr leider nicht ganz auf seine Kosten, wie in anderen Jahren, dennoch bleibt es eines der mutigsten Festivals der Schweiz.

The Oh Sees ragten als einer der besten Rockacts des Festivals am Donnerstag heraus. Schon vor zwei Jahren schaute die Band aus San Francisco vorbei. Dieses Jahr mit neuer Besetzung unter Frontmann John Dwyer. Eine kochend heisse Garagepunkexplosion, dessen Publikum sichtlich Freude an körperlichen Aktivitäten hatte. Unterhaltsam, aber enttäuschend gab sich Mac Demarco. Die spontanen live Einlagen übertrafen bei weitem die eigentlichen Lieder. Mit Flügel, Piano, Synthesizer, Drum Machine und drei eindrücklichen Holzorgeln stand Nils Frahm auf der Hauptbühne. Er begab sich auf eine Reise deren Weg sich zwischen Techno und Amelie Soundtrack befand. Grossartig, aber für viele auch zu kitschig. Während die eine Hälfte der Zuschauer gebannt seiner Musik lauschte, redete die andere Hälfte unbeeindruckt weiter.

Die Zweite herausragende Rockband spielte am Freitag auf der Main Stage. Bo Ningen aus London/Japan. Einordnen kann man die vier Typen nicht wirklich. Acid-Punk? Rock? Sie sind sich jedenfalls sicher was sie tun und kitzeln die Energie aus ihren Instrumenten heraus. Sleaford Mods wissen wie Punk im Jahr 2015 klingt. Die zweimann Band aus Notthingham konzentrieren sich auf das wesentliche: Bier trinken und wütend sein. Andrew Fearn wippte vor dem Computer hin und her, Rapper Jason Williamson textete das Publikum mit seinem unverständlichen east-midlands Akzent zu und die Leute tanzten fröhlich mit.

Am Samstag eröffnete Lorenzo Senni den letzten Tag. Sein Konzept besteht darin, melodiöse Breakdown Parts von Trancesongs in minimalistischer Form zu loopen. Sehr futuristisch kommt der Sound daher und spielt mit der Erwartung, dass es jeden Moment richtig abgeht. Eine junge Band aus Belgien vermochte auch zu überzeugen. Robbing Millions, poppig und komplex zugleich. Energiegeladen und erfrischend!
Eine Guppe, welche wie keine andere an die Kilbi passt, ist DakhaBraka aus der Ukraine. Volksmusik, gepaart mit Pop und Techno, gefüllt mit skurrilen Gesangseinlagen und gekleidet in interessantem Gewand. Der Funke sprang und die Besucher feierten die Gruppe frenetisch. Beim letzten Liveact des Abends wurde ebenfalls wild getanzt. Diesmal auch auf der Bühne. Golden Teacher aus Schottland spielen alles was Spass macht, tanzbar und retro ist.

Was bleibt noch zu sagen? Bleib dir treu Kilbi und bis zum nächsten Jahr!