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Genre: Concert

Der Marktplatz in Lörrach hat sich allmählich gefüllt. Ein bunt gemischtes Publikum. Nach dem Auftritt der Basler Vorband Kapoolas werden nach einer halbstündigen Pause erste Fans ungeduldig und fordern mit Kreischen und Pfiffen die Babyshambles auf, sich endlich zu zeigen und loszuspielen. Rechnet man schon mit längerer Wartezeit und will dieser vorbeugend entgegenwirken? Berüchtigt ist Pete Doherty in der Tat dafür, es mit der Pünktlichkeit nicht so ernst zu nehmen und mancher Fan durfte bereits auf diese Weise lernen, sich in Geduld zu üben. Wenn denn überhaupt ein Konzert zustande kam. Da konnte man sich vor allem in früheren Zeiten nicht so sicher sein und tat gut daran das Ganze eher als eine Art Glücksspiel zu sehen. Entweder es gibt die Babyshambles, da nimmt man dann auch gerne das Warten in Kauf, oder es gibt sie gar nicht. Aber heute beim Stimmenfestival lassen die Babyshambles nicht allzu lange auf sich warten.

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Und so erscheint der für Drogeneskapaden legendäre Pete Doherty in dunklem Anzug und weissem Hemd, Hosenstall offen, fast schon ein Markenzeichen, auf Lörrachs Bühne.
Ganz nüchtern scheint er nicht mehr zu sein und mit zunehmenden Voranschreiten des Abends und der bunten Drinks, an denen immer mal wieder genippt wird, wird auch die Show immer rotziger. Definitiv kein Kindersirup! So kennen wir ihn, und so wollen wir ihn auch irgendwie. “Was ist los, Baden-Baden” schallt es mit britischem Akzent ins Mikrophon. Nun ja, was in Baden-Baden los ist wissen wir hier weniger. Dennoch, dass sei ihm verziehen, er hat uns schliesslich gefunden. Und das ist gut.

Stilecht mit Fluppe im Mund und etwas wackelig auf den Beinen präsentiert uns der ehemalige Sänger der Libertines mit den Babyshambles mitreissende, herzerwärmende und typisch britische Rock N Roll Songs, angelehnt an The Clash, Joy Divison und den Sex Pistols. Das Publikum tanzt, pogt, singt mit. Zwischen den Songs stolpert Pete über die Bühne oder verschwindet mal eben von der Bildfläche. Um sich eine Auszeit zu gönnen? Ein sympathischer Frontmann, der es versteht zu improvisieren und sein Publikum zu unterhalten. Denn man weiss nie was als nächstes kommt und möchte nicht den Blick von der Bühne abwenden. Zugeworfene Präsente versteht Pete gekonnt in Szene zu setzen. Ein Teddybär findet seinen Platz auf einem der Verstärker und darf sich die Show von dort aus ansehen. Ein Lichterspiel gibt es an einer in Flammen gesetzten Rose zu bewundern, Bassist Drew McConnell bekommt einen Büstenhalter um den Hals geschlungen. Nach gut einer Stunde und ohne Zugabe ist das Konzert vorbei. Wer Glück hat kann noch das ein oder andere Accessoir ergattern, das beim Abbau in die Menge geworfen wird.

Auch wenn Pete Dohertys Konzerte umstritten sind und nicht immer Lobgesänge ernten. Für mich ein tolles Konzert der Babyshambles! Pete sollte man so nehmen wie er ist, gerade dass er nicht nach dem üblichen Muster funktioniert macht ihn doch so sympathisch für uns.


BILDER VOM KONZERT

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