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Genre: Festival

Das Paléo Festival Nyon fing auch dieses Jahr mit einem absoluten Knüllertag an. Jagwar Ma, M.I.A. und als Krönung die Könige des Garagen Blues-Rock – viel mehr muss man eigentlich gar nicht sagen.

 
Wir führen den ersten Paléo Tag nun für alle die das Spektakel nicht miterlebt haben doch noch ein bisschen aus und starten mit den drei Australiern Jagwar Ma, die bereits noch vor dem Eindunkeln das Publikum in eine dunkle von einem ätherischen Nebel gefüllte Welt entführten. Die drei zogen das Publikum vom ersten Ton an in eine unglaublich reich gefüllte Klangsuppe, die sie mit einer gehörigen Portion Hall anrichteten. Das Trio bewies damit, dass sich psychedelische Hall-Klänge bestens mit treibenden Clubbeats vertragen und genauso gut in der schwitzigen Diskothek von nebenan gespielt werden könnten, statt im Paléo Zelt “Le Détour“. Den fetten Bass-Beats entsprechend wurde auch immer mehr Publikum angelockt und es entwickelte sich mit der Zeit eine ziemliche Party mit einem für Jagwar Ma angemesseneren Publikum.

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Für das zweite Highlight des ersten Paléo-Tages war es bereits dunkel geworden und die Fläche vor der Bühne “Les Arches“ hatte sich bis nach ganz hinten gefüllt mit euphorischen Menschen. Alle warteten auf Mathangi Arulpragasam besser bekannt unter dem Namen M.I.A. (kurz für “missing in action“). Das Warten hatte ein jähes Ende als ein greller, grüner Schriftzug mit M.I.A.s Namen Mathangi aufleuchtete und markerschütternde Bässe das Publikum erzittern liessen. Die gebürtige Tamilin kam in einem schrillen pink-goldenen Sari inklusive Kopfbedeckung und verspiegelter Sonnenbrille auf die Bühne, um vor den rhythmisch leuchtenden Mandala Lichtröhren mit einer ihrer einzigartigen Performances zu beginnen. M.I.A. versteht es wie keine zweite ihre bereits bis zur Schmerzgrenze überzeichnete Musik mit extrem körperbetontem Tanzen zu kombinieren und sich dabei von einer schon fast klischeehaften Lichtshow begleiten zu lassen. Dabei bleibt die Musik stets erstaunlich eingängig und hörbar.

Dass M.I.A. aber nicht nur eine hervorragende Musikerin und Künstlerin ist, sondern eben auch eine erstklassige Entertainerin bewies sie spätesten bei “Bamboo Banga“ als sie minutenlang auf dem Geländer zum Publikum – von diesem gestützt – hoch über alle herausragend stand und auch mal einen Zug von einer Zigarette aus dem Publikum nahm. Doch das Publikum sollte noch weiter angeheizt werden, um den Höhepunkt des Konzertes vorzubereiten. Mathangi und ihre Tänzer und Tänzerinnen holten eine Horde junger Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne, um mit ihnen den Song “Boyz“ durchzutanzen. Nachdem nun alles vorbereitet war für den Höhepunkt, skandierte M.I.A. bereits: „Live fast, die young, bad girls do it well!“. In “Bad Girls“ gipfelte noch einmal alles wofür M.I.A. steht in extremis und das Publikum wurde mit dem musikalischen Meisterwerk schlechthin von M.I.A.s neuster Platte Matangi belohnt.

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Der letzte Act des Abend gab sich natürlich nicht mit einer der Nebenschauplätze ab, sondern ihnen gebührte der ganze Platz auf der “Grand Scène“ des Paléo-Festivals. Dan Auerbach und Patrick Carney, die zusammen die Band The Black Keys bilden, eröffneten ihr Konzert bereits mit einem ersten Schlager aus ihrem Wunderwerk El Camino. Die zwei aus Ohio stammenden US-Amerikaner hatten sich dabei mit einem Bassspieler und einem Pianisten verstärkt und legten gleich mit dem ersten Song “Dead and Gone“ richtig los, um allen die Richtung des weiteren Konzertverlaufes zu zeigen. Man hätte meinen können, Auerbauch und Carney wollen die Bandzuzüge vergessen machen, so dominant traten die beiden auf.

Vorbei sind dabei die Zeiten als es noch filigrane Blues-Melodien bei den Keys zu hören gab. Herben, dreckigen Blues Garagen-Rock im Stile eines Jack White gibt es heute zu hören, wobei man das vielleicht nicht zu laut sagen sollte, sonst prügeln sich statt Carney und Auerbach – wie im Videoclip zu “Tighten Up“ – plötzlich Auerbach und White beim Abholen der Kinder vor dem gemeinsamen Kindergarten. Doch zurück zum Konzert. Die Keys gönnten sich und dem Publikum eigentlich nie eine Pause und setzten immer noch einen drauf. Auf den Eröffnungsschlager folgte “Next Girl“, der von “Run Right Back“ abgelöst wurde und dieser wiederum wurde von “Gold On The Ceiling“ getoppt. Die Black Keys nahmen sich ganz Augenscheinlich den Grundsatz eines weisen Mannes zu Herzen, der einmal sagte: „Ein guter Mix hat nicht Höhen und Tiefen. Ein guter Mix hat nur Höhen!“. So ging es den weiter und die Black Keys zeigten bei “Money Maker“, dass sie sich bei der Bühnendekoration nicht einfach Schrott haben in den Hintergrund stellen lassen, sondern eine unglaubliche Anzahl von Scheinwerfer, die im Takt erglühten und die strahlenden Gesichter des Publikums beleuchteten. Nachdem der Keys Überhit “Howlin’ For You“ inklusive Publikumsgegröle über die Bühne ging, verabschiedeten sich die Keys vom Publikum in urtümlicher zweier Formation. “Little Black Submarines“ wurde zur Abschiedshymne, die zwar gemächlich startete aber in einem unglaublichen von Dreck triefenden Gitarren und Schlagzeug Furioso gipfelte, das direkt in das Herz aller Blues Garagen-Rocker traf. (YSC)

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HIGHLIGHTS


Paléo Festival Nyon 2014 – Best of de mardi von paleo

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