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Genre: Concert

Zu den ersten Klängen von “Before I Ever Met You” betrat Banks pünktlich auf die Minute die Konzertbühne im halbgefüllten Auditorium Stravinski. Mystisch und mit grossen Gesten – leider aber in Halb-Playback – versuchte sie, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Das wollte ihr aber auch bei “This is What it Feels Like” nicht ganz gelingen. Erstaunlich ist das nicht, wartete der halbgefüllte Saal doch mit grossem Erwarten auf den Hauptact Massive Attack. Banks’ Performance war vielleicht ein wenig zu düster, zu schwach, um mit den Altmeistern mithalten zu können. Nach dem eher mittelmässigen Start konnte die junge Sängerin mit “Change” aber doch noch zeigen, dass sie ihre Stimme nicht hinter einem Playback verstecken müsste. Die Akkustikversion von “Fall Over”, die Banks am Piano als Ballade spielte, verdeutlichte dies noch mehr. Das bis anhin träge Publikum konnte sie allerdings erst mit einer poppig-akkustisch gespielten Version der Ballade “Warm Water” für sich gewinnen. Schade – hätte sich von einem Massive Attack affinen Publikum doch erwarten lassen, dass es sich von basslastiger, düsterer Musik mitreissen lässt. Einen Vorgeschmack auf ihr kommendes Debüt-Album, das im Oktober 2014 erscheint, gab Banks mit dem gleichnamigen Song “Goddess” und dem bis anhin unveröffentlichten “Stick”, zwei weiteren R’n’B-Nummern mit unterlegten Electrobeats.
Die Massive Attack-Hörer avancierten durch die Performance vielleicht nicht zur neuen Fanbase von Banks, aber sie zeigte, was in der Sängerin steckt: Gekonnt spielt sie mit ihrer düsteren Aura, die ihre zerbrechlich und verführerische Stimme optisch unterstützt. Die Rolle dieser majestätisch-anmutenden düsteren Goddess lässt sie jedoch fallen, wenn sie mit dem Publikum interagiert oder, ergänzt durch warmes sonnengelbes Licht, eine singer-songwritermässige Darbietung mit dem Piano gibt. Einzig ihre Schüchternheit sollte sie ablegen und sich trauen, ihrer Stimme mehr Kraft zu verleihen.

Auf das Debütalbum darf man gespannt sein – bleibt Banks ihrem bisherigen Stil treu, wird “Goddess” perfekt in trübe Herbsttage passen. (Simone Mäder)

REINHÖREN


Für Liebhaber von: The Weeknd, Morcheeba, James Blake
© Foto: Lionel Flusin