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Genre: Alternative | Electro | Glo-Fi | Interview | Rap

Phedre aus Toronto waren am Freitag an der Bad Bonn Kilbi zu Besuch. Mit ihrem trashigen Synthpop und simpeln Mitteln wie Neonfarben und Strümpfen zeigte sich das Duo sehr lebendig und mutig.

Wenn in einem Brockenhaus die alten Keyboards weg sind, hält sie wahrscheinlich schon Phedre in den Händen. Ihre Musik besticht durch die Vielfalt ihrer Sounds und dem Überschreiten von verschiedensten Grenzen, dem Zusammenspiel der Stimmen und den Glo-Fi Elementen. Zwei Alben haben sie in den letzten zwei Jahren herausgebracht und arbeiten fleissig an ihrem dritten Werk. Neben Phedre sind sie auch in andere Projekte verwickelt. Zeit ihnen eine Stimme zu geben:

FZ: Wie war eure allererste Festivalerfahrung?

April: Ich ging zu einer dieser riesigen Festivals in Toronto. Ich glaube es war ein Festival wegen dem Sars Virus. Richtig grosse Namen haben dort gespielt…

Daniel: Rolling Stones, AC/DC, Justin Timberlake. Wer noch? Flaming Lips. Es war schräg… ich mochte AC/DC und Justin Timberlake war auch nicht schlecht. Das Wetter war ziemlich unerträglich.

April: Sam Roberts hatte auch dort gespielt. Damals war ich ziemlich grosser Fan von ihm. Das ganze Festival war voll mit Leuten und viel zu heiss.

Daniel: Es war okey… für Sars! Und umsonst.

FZ: Wart ihr zusammen dort?

April: Nein. Wir kannten uns dort noch nicht.

Daniel: Ich erinnere mich an das letzte Festival, an welchem ich nur zum Spass war, bevor ich zu spielen begann. Es war eines dieser Rave Festivals, vor etwa zehn Jahren, an einem Strand. Wegen den Substanzen, die ich genommen hatte, war ich die ganze Zeit ziemlich paranoid und blieb im Zelt, da ich dachte, jede Person die zum Zelt schaut, will unsere Sachen klauen.

April: Ich hatte auch so eine ähnliche Erfahrung, als ich mit einer Rock-Band gespielt hatte. Es war furchtbar. Wir rieben uns mit Schlamm ein und tauften uns danach Gegenseitig im Fluss.

FZ: Das heisst, ihr hattet früher ein Rock-Band?

April: Wir haben sie immernoch. Sie heisst Hooded Fang.

FZ: Und wie startete eure Kollaboration?

April: Wir haben an komischen Kunstprojekten gearbeitet.

Daniel: Ja wir haben Kunstprojekte gemacht, Platten aufgelegt und danach Bands gegründet. Wir spielen auch viel Pool zusammen!

FZ: Was ist zuerst in euren Arrangements vorhanden? Die Struktur oder das Chaos?

April: Es kommt auf den Song an und wie man sich gerade fühlt wenn man ihn macht. Das Wetter…

Daniel: … was ich an diesem Tag gegessen habe oder im Fernsehen gesehen habe.

April: Vielleicht ist es wie ein Schrottplatz mit verschiedenen Teilen. Es gibt auch schöne Sachen zu finden und probiert diese zusammenzusetzten. Das kommt unserer Musik am nächsten.

FZ: Ändert sich auch noch viel im Studio?

Daniel: Wir machen eigentlich alles zuhause und ändern nicht mehr viel im Studio/Mix.

FZ: Und wie zeigt ihr euren vielschichtigen Sound auf der Bühne?

Daniel: Eigentlich haben wir immer ein vierzigköpfiges Orchester mit uns dabei. Aber die meisten sind momentan mit ihren Kindern beschäftigt.

April: Ein paar sind Krank, ein paar haben Jobs, ein paar haben keine Jobs und sind am Strand. Darum sind vier zu dritt unterwegs. Momentan haben zwei Samplers und ein Keyboard. Es ist eine andere Herausforderung die Songs live zu „übersetzen“, da wir viele verschiedene Instrumente benutzt haben. Wir hoffen nächste Tour eine Band mitnehmen zu können.

Daniel: Momentan spielen wir live wie MC’s und arbeiten an der neuen Platte. Die hört sich wie eine dunkle Version von Broadcast an. Dieser Sound ist aber so live, dass wir ihn gerne in einer Gruppe spielen würden. Es wird sich einiges ändern.

FZ: Ist es euch in diesem Fall wichtig nicht an einer Position festzusitzen?

April: Ja. Wir ändern uns immer, Leute ändern sich, das Leben verändert sich die ganze Zeit. Wir wollen nicht an einem Punkt stehen bleiben.

Daniel: Jedes Album ist auch eine Momentaufnahme der Zeit. Künstler wechseln auch ihre Medien und so sehen wir das mit unseren Alben und Bands.

Welche Arbeit würdest du machen, wenn du nicht Musik machen könntest?

April: Ich würde gerne eine Krankenwagenfahrerin werden. Ich mag es Auto zu fahren, man muss das Rotlicht nicht beachten und hilft Menschen.

Daniel: Als ich ein Kind war wollte ich ein Kinder-Psychologe werden. Ich könnte das machen, wenn ich zurück in die Schule gehen würde. Vielleicht auch Saucier, ein Koch in der Küche der nur Saucen macht.

Wie ist die Musikszene in Toronto?

Daniel: Es gibt dort viel Pflanzen Rock… die Leute spielen mit Pflanzen Musik. Toronto hat eine super Szene. Die Leute helfen sich aus und man lernt viele Leute kennen.

April: Jeden Tag sind mindestens zehn Konzerte die man sich anhören könnte.

Daniel: Ja meistens Pflanzen Rock… Es nimmt Überhand an, es ist überall. Viele Leute springen auf den Zug.

April: Man hat ganz verschiedene Locations oder macht einfach eine DIY Show. Am meisten mögen wir Konzerte bei Leuten Zuhause. Die Grösse der Szene ist perfekt. Nicht zu überfüllt wie New York aber auch nicht zu klein. Ihr solltet hingehen.

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