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Indie | Rock

Die junge Berner Band Swatka City, deren musikalische Herkunft man in Grossbritannien vermuten könnte, auch weil die Stimme des Sängers David Nydegger irgendwie an die des Arctic Monkeys Lead-Sänger Glyn Jones erinnert, hat kürzlich ihr Debüt-Album Nighthawks veröffentlicht. Nachdem es die vier Musiker bereits mit ihrer EP weit gebracht haben: Gewinner des Waldbühnen-Votings des Gurtenfestivals 2010 und mit dem Song “Run, Run, Run!” Teil des Filmsountracks des Films “Das Leben ist zu lang” des deutschen Filmemachers Dani Levy, darf man gespannt sein, wohin die Reise mit Nightawks gehen wird. Anlässlich zum Albumrelease baten wir die Hauptstädter zum Interview.

Fingerzeig: Euer erstes Album ist jetzt endlich da. Wie geht’s euch dabei?

David: Gut, sehr gut.
Kaspar: Wir realisieren es noch gar nicht so, dass es nun endlich soweit ist. Wir haben uns fast ein Jahr mit dem Aufnehmen des Albums beschäftigt. Das ist für uns nicht so speziell oder wir nehmen es nicht so wahr.

FZ: Ein Jahr haben die Aufnahmen gedauert?

Kaspar: Nicht direkt. Der ganze Aufnahmeprozess fand gestaffelt über ein Jahr an verschiedenen Orten statt. Wir haben in einer Kirche aufgenommen, auf einem Bauernhof und im Studio selbst.

FZ: In einer Kirche?

David: Für den Kitsch und die pompöse Akustik haben wir Streicher, Kirchenorgel, die Toms der Percussion und etwas Gesang in einer Kirche in der Nähe des Bauernhofs aufgenommen.

FZ: Ihr stammt alle aus einem Dorf zwischen Bern und Thun. Liegt da irgendwo Swatka City oder sind die Koordinaten dieser Stadt noch immer geheim?

Matthias: Wer hat gesagt die Koordinaten wären geheim?

FZ: Die Berner Zeitung.

Matthias: Gut, dann sind sie noch immer geheim (lacht).

David: Nein wir haben das Geheimnis um unseren Bandnamen gelüftet. In Kanada gibt es einen See, der heisst Swatka Lake. Ich war einmal dort und der Ort hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte das Gefühl, wenn ich mal eine Stadt erbauen könnte, würde ich das dort tun. Daher der Name. Zudem gefiel mir das Schriftbild des Namens gut, auch weil man dieses nicht so genau zuordnen kann.

FZ: Bereits mit eurer EP wart ihr viel unterwegs. Ihr habt Konzerte in Deutschland, Österreich, Kroatien, Ungarn, Slowakei und in der Türkei gespielt. Wieso der Osten und wie kam es zu diesen Konzerten?

Kaspar: Weil ja sowieso alle nach England wollen dachten wir uns, machen wir was anderes.

Matthias: In Oberdiessbach, wo wir alle aufgewachsen und zur Schule gegangen sind, gab es einen Schülerchor, mit welchem jedes Jahr eine Art Lager in Slowenien organisiert wurde. Auch später hat es uns für Ferien immer wieder in den Osten verschlagen. Daher kam der Wunsch als Band in diesen Ländern aufzutreten.

FZ: Und die Konzerte habt ihr selbst organisiert?

Matthias: Richtig. Das war in der Zeit als Myspace noch nicht tot war. Wir haben uns Bands aus diesen Ländern ausgesucht, die uns gefielen und sie angeschrieben, ob sie mit uns ein Konzert in ihrer Heimat spielen würden. So haben die Bands Konzerte für uns organisiert. Das hat sehr viel Spass gemacht. Und weil wir viele nette Menschen kennengelernt haben, konnten wir ein Jahr später gleich nochmals auf Reisen gehen und wieder Konzerte spielen. Auch für dieses Jahr sind wieder Konzerte im Osten geplant.

David: Das gehörte auch zum Gründungsgedanken der Band. Wir wollten bereits nach vier Konzerten, wo uns natürlich hauptsächlich Freunde zugehört haben, raus vor die Tür und in unbekannten Gefilden unser Glück versuchen.

FZ: Tim Renner, Chef des deutschen Labels Motor Music, hat den Schweizer Bands kürzlich vorgeworfen sie seinen zu bequem und würden nicht für wenig oder keine Gagen weit reisen, um Konzerte zu spielen. Das scheint auf euch nicht zuzutreffen?

Kaspar: Nein, definitv nicht. Wir haben bisher viel mehr Geld ausgegeben um Konzerte spielen zu können als wir damit verdient hätten. Uns ging es bis jetzt mehr um das Erlebnis und nicht ums Geld. Sollte das Projekt Swatka City demnächst mal kostendeckend werden wäre das sicher cool, damit Geld zu verdienen ist nicht der Grund um Musik zu machen.

FZ: We Loyal, eine Band aus Basel, ist kürzlich der Musik wegen nach Berlin gezogen. Was glaubt ihr, ist die Schweiz für Musiker ein Standortproblem?

David: Ich glaube wenn man wirklich von der Musik leben will, ist das in der Schweiz extrem schwierig. Mit Popmusik für die Massen gelingt das vielleicht hin und wieder, aber mit der Musik wie wir sie machen ist das Leben in der Schweiz vermutlich zu teuer um davon leben zu können.

FZ: Kommen wir auf das Album „Nighthawks“ zu sprechen. Die Jury des Waldbühnen-Votings hat euch 2010 für euer starkes Songwriting gelobt. Ein Lob, welches ich auch für euer Debüt so unterzeichnen kann. Woher kommt dieses Talent, wo habt ihr euer Handwerk erlernt?

David: Seit jeher stand bei uns zu Hause ein Klavier, mit welchem ich früh begonnen habe Musik, damals noch auf Kassette, aufzunehmen. So habe ich das Songwriting erlernt. Später, als das Programm Garageband erschien und ich plötzlich mehrere Spuren aufnehmen konnte, ging es dann richtig los mit Songs schreiben.

FZ: Nicht minder qualitativ ist die visuelle Umsetzung eurer Musik. Ich vermute, dafür ist der bandinterne Grafiker zuständig?

David: Ja, das bin auch ich (lacht)

Kaspar: Der Kopf der Band halt.

David: Ich bin Grafiker und mir ist es wichtig, auch bei der visuellen Präsentation etwas Spezielles zu schaffen.

FZ: Gibt es bei Konzerten auch eine visuelle Umsetzung eurer Musik? Oder überlasst ihr das dem Kopfkino des Zuschauers?

David: Das ist etwas, womit wir jetzt langsam beginnen. Aber auch das soll wohl überlegt sein und zu unserem Konzept passen.

FZ: Live kann man euch demnächst in Basel sehen. Geht er ihr selbst auch an Konzerte? Was sind eure Lieblings-Live-Bands?

Matthias: Selbstverständlich.

David: Ich war vor kurzem am Feist-Konzert. Das hat mich umgehauen.

Kaspar: Ich bin Tontechniker und komme von Berufswegen zu sehr viel Live-Musik.

Matthias: Unsere Musikgeschmäcker sind sehr verschieden, weshalb wir nicht nur an Indie-Konzerte gehen. Uns trifft man auch mal an Drum’n’Bass-Partys.

Kaspar: Was? (lacht)

Matthias: Ok, Drum’n’Bass ist vielleicht etwas vorbei.

FZ: Die perfekte Überleitung zum Fingerzeig The Bands-Playlist-Check. Nennt uns bitte je 2 oder 3 Bands die man auf eurem Ipod unter B findet?

Kaspar: Bonaparte, The Black Keys, The Bianca Story.
David
: Beatles, Beck, Baths.
Matthias
: Birdy Nam Nam, Björk.