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Al Pride sind zwei Brüder, zwei Freunde und eine Dame. Der Grund, warum sie an der Donnerstage im SUD viel Aufmerksamkeit und anerkennend hochgezogene Augenbrauen bekommen haben: Mundharmonika, Synthie, Pop mit Folkeinschlag, eine gute Frauenstimme und die Art Charme, die durch den Raum wabert und der man sich nicht direkt entziehen kann oder wirklich will. Die Konsequenz: eine nette Ausfahrt nach Baden.

“Ihr habt einen Subway?” Die Antwort auf die durchaus ernstgemeinte Frage ist ein charmantes Doppellachen. “Alle aus Basel fragen das. Genau im gleichen Tonfall”, erklärt mir Nico darauf, Sänger von Al Pride. Er und Lukas, Bassspieler, geleiten mich an einem frostigen Montagnachmittag in das wohl niedlichste Café in der Kleinstadt. Möglicherweise hätten wir von Fingerzeig besser daran getan, jemanden zum Interview zu schicken, der ein bisschen charmeresistenter ist als ich. Doch dafür ist es zu spät und wenn sogar Oberschnulze Kai Pflaume Al Pride via Facebook bei seinen Fans bewirbt, wie soll ich gegen etwas bestehen, was auch 50-jährige Herzblattanhängerinnen bezirzt? Eben! (jag)

FZ: Wie sahen eure Anfänge als Musiker aus, gab es andere Bands vor Al Pride?
Nico: Wir haben eigentlich zusammen angefangen. Früher sind wir sehr oft Snowboard gefahren, das professionell zu machen war eigentlich mein Kindheitstraum. Mit einem von dieser Gruppe hab ich dann angefangen, Musik zu machen, Gitarre und Schlagzeug halt. Dann haben wir einen Bass gesucht. Und das war Lukas.

Lukas: Ich wollte eigentlich mit zwei anderen eine Band gründen, was nicht sonderlich gut geklappt hat. Dann hab ich gehört, dass Nico einen Bassist sucht. Ich bin also dahin und du (wendet sich an Nico) hast Chips aufgetischt.
Nico (erstaunt): Hab ich?
Lukas: Ja. Echt gastfreundlich.

FZ: Wie ist dieses Treffen zusammengekommen? Hat Nico ein Migros Inserat geschrieben und du dir seine Telefonnummer abgerissen?
Lukas: Nein, wir hatten Kollegen, die sich kannten.
Nico: Deswegen hat er überhaupt angefangen Bass zu spielen. Wir haben beide bereits zuvor Instrumente gespielt. Aber das Musikmachen als Band hatte darin seinen Ursprung. Wir haben einen weiteren Gitarristen dazu geholt, am Anfang hat es schwer nach Metallica getönt (lacht). Es gab viele Rochaden, der jetzige Schlagzeuger ist der vierte für uns beide. In dieser Konstellation spielen wir seit zwei Jahren, zuerst zu dritt, dann zu viert und schlussendlich wurden wir fünf.

FZ: Und wie ist Astrid zu euch gestossen?
Nico: Sie war eine gute Freundin meiner Ex-Freundin. Ich wusste zwar, dass sie singt und eine Band suchte, aber gerade am Anfang kam das für uns nicht in Frage. Irgendwann hatten wir zwei drei ruhige Songs und haben mit ihr experimentiert. Zwar haben wir nicht alles neu einstudiert, aber gemerkt, dass es funktioniert, und seither ist sie Bestandteil der Band.
Lukas: Damals war unser Sound noch deutlich härter, wenn man das so sagen kann (lacht). Wir waren alle unerfahrene Leute. Am kreativsten war wahrscheinlich Nico.
Nico: Wahrscheinlich hat sie dazu beigetragen, dass wir weicher geworden sind.

FZ: Was mich beeindruckt ist die Harmonie zwischen euch. Und ihre Stimme.
Lukas: Das ist totale Geschmackssache, es gibt Leute, die nicht der Meinung sind. Aber viele sagen: “Das passt.”
Nico: Ich glaube man hört, dass wir zusammen an unseren Stimmen gearbeitet haben. Am Anfang hat es nicht wirklich geklappt, doch mit der Zeit und vor allem durch das Einspielen des Albums wurde es immer besser. Die Albumproduktion war Low-Budget, der Produzent in unserem Alter, aber durch das hatten wir sehr viel Zeit und es war sehr intensiv. Für jeden Song haben wir uns einen Tag für das Einsingen genommen und experimentiert mit Stimmen und Arrangements. Das hat sich gelohnt.

FZ: Wo habt ihr das Album aufgenommen?
Nico: Zuerst in Zug. Dort haben wir Schlagzeug und Bass aufgenommen. In einem Studio. Im Bandraum Gitarren und alle Spielerein wie Synthies, Mundharmonika, und für den Gesang hat unser Produzent bei sich zu Hause eine Kabine gebaut. Mit Holzplatten und Matratzen, sehr gut isoliert.
Lukas: Ich glaube, das Resultat spricht für sich.
Nico: Es steckt vor allem sehr viel Herzblut darin und deswegen sind die Aufnahmen verhältnismässig gut für den finanziellen Aufwand, der dahinter steckt. Es war für alle Beteiligten die erste Produktion und wir können uns glücklich mit dem Ergebnis schätzen.

FZ: Woher kommt eure Instrumentenvielfalt? Gerade Mundharmonika.
Lukas: Es ist nur die Mundharmonika! (lacht) Das kam mit Luk in die Band, Nicos Bruder. Er spielt Instrumente zu den Songs, von denen wir auch nicht denken, dass sie irgendwie dazu passen könnten. Aber es ist immer das, was fehlt.
Nico: Das Gerüst des Songs machen wir und für ihn ist das ein Spielplatz, auf dem er sich austoben kann. Umso länger du zusammen spielst, desto besser lernst du dich kennen und desto besser funktioniert das Ganze auch.
Lukas: Es kann aber auch problematisch, weil er so virtuos ist, dass immer stur dasselbe zu spielen nicht infrage kommt.
Nico: Er spielt eigentlich Blues und das musste auch wachsen, dass es zu Al Pride passt. Schlussendlich hat er aber Synthies für sich entdeckt und daran hat er immer noch grösste Freude. Der Spassfaktor ist auf jeden Fall sehr hoch.

FZ: Habt ihr Vorbilder?
Lukas: Ich glaube wir hatten schon immer sehr unsere eigene Vorstellung wie wir klingen wollten. Zu Beginn waren es härtere Sachen, aber jeder hat seinen persönlichen Favoriten mit eingebracht. Ich stand zum Beispiel auf sehr harte, eingängige Basslinien. Nico stand eher auf Mando Diao. Trotzdem ist daraus was Eigenes entstanden.
Nico: Wir haben uns von einer anderen Stilrichtung zum jetzigen Status Quo entwickelt. Lukas und mir gefällt die englische Musikszene sehr gut.
Lukas: Ich wollte, wir alle wollten einbringen was wir mochten, obwohl sich das Endprodukt nicht so angehört hat wie ich wollte. Aber es hat sich immer etwas daraus entwickelt.
Nico: Zu Beginn war es bestimmt ein Kompromiss. Aber wir mussten uns auch irgendwann finden, und mit dem Album ist es vom Kompromiss zum Bewusstsein gekommen: Das ist unser Stil.

FZ: Wie hat sich die Veröffentlichung des Albums für euch angefühlt?
Lukas: Krass war „Popsong“ das erste Mal im Radio zu hören. Das hat sich bei mir mehr eingeprägt als die Albumveröffentlichung.
Nico: Für mich war das Album grösser. Die Singleveröffentlichung war zwei Monate früher, und es hat uns extrem geholfen, dass diese so gut ankam, weil wir alles selbst gemacht haben über die Promo und auch den Vertrieb des Albums. Die Plattentaufe im Nordportal war speziell, weil wir lange auf den Moment hingearbeitet haben und danach kam ein grosses Vakuum. Mit der Zeit und aus Distanz kann ich aber sagen, dass es ein spezieller Moment war.

FZ: Wie sieht es mit einem Nachfolger für „Hello Blue Light“ aus?
Nico: Ist bereits in Planung.

FZ: Werdet ihr wieder sehr viel selbst machen, oder hat sich aufgrund steigender Bekanntheit etwas ergeben?
Lukas: Wir werden bestimmt etwas Selbständigkeit abgeben, weil es für uns sehr befreiend ist, einfach um wieder kreativ zu sein zu können. Wenn wir Arbeit abgegeben, entwickelt sich mehr Musik daraus.
Nico: Der Fokus war sicher ein wenig abgelenkt von der Musik, einfach weil es viel freiwillig aufgebürdete Arbeit war. Der Vorteil ist, dass wir etwas selbst Geschaffenes in der Hand halten, das uns nicht bindet. Wir sind im Moment im Gespräch mit einem Label und sie würden dann natürlich den Vertrieb übernehmen. Zwischenmenschlich muss es mit uns funktionieren.
Lukas: wir sind wirklich total abhängig vom sozialen Gefüge. Klassisches Bandverhalten eigentlich. Vielleicht sollten wir da noch ein wenig reifen.

FZ: Es macht aber auch euren Charme aus, dass ihr so fixiert auf das Zwischenmenschliche seid. Und eure Schüchternheit macht viel aus, wie man euch wahrnimmt.
Lukas: Das ist unsere grosse Gratwanderung, einerseits total authentisch sein und auf der anderen Seite professionell. Wir bekommen hie und da ein paar gut gemeinte Tipps aber es kommt, es braucht einfach Zeit.

FZ: Spielt es für euch eine Rolle, ob ihr vor heimischen Publikum oder auswärts wie im SUD spielt?
Lukas: Mittlerweile nicht mehr. Ich bin vor jedem Konzert nervös, der Ort spielt keine Rolle. Allgemein werden wir versuchen stetig mehr Bühnenperformance zu bringen.
Nico: Wir werden uns bestimmt noch weiter entwickeln und auch ungelogen darauf achten, was gut ankommt. Darauf wollen wir schliesslich abzielen. Aber ich bin zufrieden.
Lukas: Ich auch. Lieber echt wachsen als gespielt.

FZ: Der Auftritt im SUD war euer erster in Basel. Ist das ein Ziel, ausserhalb der Region bekannt zu werden?
Beide nicken.
Lukas: Definitiv. Der Auftritt im SUD war unter der Woche, deswegen habe ich wirklich das Gefühl, dass die Leute wegen dem Konzerterlebnis gekommen sind. Dann spielt die Anzahl keine grosse Rolle, es war echt schön und bringt uns auch weiter.
Nico: In erster Linie gehts nicht um Ruhm und Erfolg, aber wenn das, was du machst gut ankommt, dann bekommst du auch mehr von dieser Interaktion zurück. Und live spielen machen wir am liebsten.